Trendthema Fasten – der Expertentalk

Hallo Renate! Schön, eine Expertin in Sachen Fasten aus den eigenen Reihen hier zu haben. Was hat dich dazu bewegt, noch zusätzlich zu deinem Ernährungswissenschaftsstudium die Ausbildung zur „Fachberaterin Fasten UGB“ (Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung e. V. UGB, Wettenberg) zu machen?

 

Als Ernährungswissenschaftlerin lese ich regelmäßig Fachpublikationen und bin an neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen rund um Ernährung und Gesundheit sehr interessiert.

Ich habe einige interessante Beiträge zum Thema Fasten gelesen und wurde neugierig, sodass ich es direkt persönlich ausprobieren wollte.

Meine ersten Erfahrungen habe ich in einer Gruppe mit einer qualifizierten Fastenleiterin gesammelt. Das war so positiv und faszinierend, dass ich mich entschlossen habe, eine ergänzende Ausbildung zur Fastenberaterin zu machen, um mein Wissen und meine Erfahrungen weitergeben zu können. Ich leite nur Fastengruppen für Gesunde, denn therapeutisches Fasten sollte ärztlich betreut werden.

 

Das neue Jahr hat begonnen und ich möchte auch körperlich einen neuen Anfang wagen – kann mir Fasten dabei helfen und kann ich gleich morgen damit anfangen?

 

Natürlich kann Fasten bei der Umstellung auf einen bewussten Lebensstil helfen. Es geht um den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit, das ist auch der Unterschied zu einer Diät oder Kur. Bewegung und Entspannung sind dabei zu gleichen Teilen wichtig. Faszinierend ist auch die Erfahrung, ohne Nahrung gut leben zu können. Fasten kann einen starken Impuls zur Veränderung der Ernährung und des Essverhaltens geben. In einer betreuten Gruppe erfahren wir einiges über ausgewogene Ernährung und einen gesunden Lebensstil. Hierzu gibt es verschiedene Fastenmethoden, meine ist die nach Buchinger.

Bevor man damit starten kann, sollte allerdings geklärt werden, ob man überhaupt fasten darf. Einige Personen- und Berufsgruppen sollten nämlich nicht fasten.

Optimalerweise sollte das ganzheitliche Fasten abseits vom Alltag stattfinden, mit genügend Ruhe und Stille sowie der Möglichkeit, sich sportlich zu betätigen. Das erste Fastenerlebnis ist von besonderer Bedeutung und sollte unter erfahrener Anleitung stattfinden, eine Gruppe finde ich persönlich sehr motivierend. Eine gute Vorbereitung ist auf jeden Fall notwendig und besonders wichtig, wen man das erste Mal fastet.

 

Eine große Hemmschwelle ist für viele das Abführen. Muss ich beim Fasten denn immer abführen? Welche Methoden gibt es?

 

Während der Fastenzeit ist die Förderung der Ausscheidungsvorgänge notwendig und wichtig. Durch den Verzicht auf feste Nahrung schaltet der Stoffwechsel auf Abbau- und Ausscheidungsvorgänge um. Die Ausscheidung findet über verschiedene Organe (Niere, Darm, Lunge, Leber, Haut, Mund) statt.

Um das Wohlbefinden während des Fastens positiv zu beeinflussen, gibt es verschiedene Maßnahmen, eine ist üblicherweise der Einlauf. Aufgrund der reduzierten Darmperistaltik (Darmbewegungen) und der fortgesetzten Sekretion von Verdauungssäften, Abschilferungen innerhalb der Verdauungsorgane (Magen, Darm) und abgestorbener Darmbakterien sind diese Abführmaßnahmen notwendig. Mittels eines Einlaufs wird die Darmperistaltik wieder angeregt.

Alternativen zum Einlauf sind Bittersalz, verschiedene Säfte und Trockenobst. Hier sollten individuelle Befindlichkeiten beachtet werden.

Weitere fastenunterstützende Maßnahmen sind zum Beispiel Leberwickel, körperliche Bewegung und Entspannungsübungen.

 

Muss ich in der Fastenzeit irgendetwas an Vitaminen oder Mineralstoffen supplementieren?

 

Nein, ein gesunder Mensch, muss bei einer begrenzten Fastendauer (eine bis vier Wochen) in der Regel nichts supplementieren. Vorausgesetzt, es bestehen keine Mangelzustände bei einzelnen Stoffen.

Mit der Gemüsebrühe, die wir einmal täglich zu uns nehmen, werden Mineralstoffe aufgenommen, der Gemüse-Obst-Saft versorgt uns mit Vitaminen und Mineralstoffen. Im Einzelfall sollte mit dem Hausarzt besprochen werden, ob eine Supplementierung notwendig ist.

 

Stimmt es, dass ich während des Fastens übersäuere?

 

Im Blut liegt der pH-Wert immer im konstanten Bereich.

Zahlreiche Puffersysteme im Körper regulieren den Säure-Basen-Haushalt des Körpers, sodass keine akute metabolische Azidose (stoffwechselbedingte Übersäuerung des Blutes und des Körpers) entstehen kann.

Der Harnsäurespiegel kann während des Fastens jedoch etwas ansteigen, besonders in den ersten Tagen. Bei einer leichten Übersäuerung (latente Azidose) helfen verschiedene Verhaltensweisen, zum Beispiel viel Bewegen und Trinken, denn dadurch kann der Körper die überschüssige Säure besser ausleiten. Besonders geeignet sind Kräutertees oder Wasser mit Zitrone, da darin Basen enthalten sind.

In manchen Fällen kann sich eine Basenzufuhr in Form von Basen-Citraten oder Heilerde positiv auswirken.

 

Kann ich während der Arbeit fasten oder sollte ich mir dafür Urlaub nehmen?

 

Während der Arbeit zu fasten ist möglich, aber nur, wenn bereits Erfahrungen vorhanden sind und man genau weiß, wie der eigene Körper reagiert. Aber auch hier sollte der Terminkalender nicht zu voll sein und es muss ausreichend Raum für Sport und Entspannung geben.

 

Vielen Dank für deinen Expertenrat, liebe Renate! 


Wer weitere Fragen zum Thema Fasten hat, kann Renate von Mo.-Do. von 9-14 Uhr über unsere exklusive Hotline erreichen. 
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