Frau mit Glas

Fasten – vom Heilfasten bis zur Nulldiät

In seiner ursprünglichen Form hatte Fasten das Ziel, Körper und Seele vor religiösen Festen zu reinigen, ein Opfer zu bringen oder für begangene Sünden zu büßen. Heutzutage fasten viele Menschen, um abzunehmen oder zu „entschlacken“. Dabei verzichten sie für eine begrenzte Zeit komplett auf Essbares, oder begrenzen die Lebensmittelauswahl. Das kann Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Sprechen Sie deshalb unbedingt mit Ihrem Arzt, wenn Sie fasten möchten.

Null-Diät: Gegessen wird nichts

Die Null-Diät ist die strengste Form des Fastens. Neben Wasser werden Vitamine und Mineralstoffe zugeführt, um Mangelerscheinungen zu vermeiden. Auf feste Lebensmittel wird verzichtet. Eine Null-Diät sollten Sie nur auf ärztlichen Rat und unter ärztlicher Beobachtung durchführen. Denn während der Diät können beispielsweise Kreislaufbeschwerden, Elektrolytstörungen, ein niedriger Blutzuckerspiegel, Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe und Schlafstörungen auftreten. Darüber hinaus kommt es nach längeren Fastenzeiten zum Abbau von Muskeleiweiß – auch im Herzen.

 

Sinnvoll ist die Null-Diät nur als motivierender Einstieg in die Gewichtsabnahme bei massivem Übergewicht – entsprechend einem BMI, der größer als 40 ist. Dauerhaften Erfolg hat das totale Fasten nur dann, wenn anschließend eine ausgewogene, kalorienbewusste Ernährung im Sinne der Ernährungspyramide erfolgt und auch langfristig beibehalten wird.

Modifiziertes Fasten: Eiweiß ist erlaubt

Modifiziertes Fasten ist über einen längeren Zeitraum unter ärztlicher Aufsicht möglich und bei medizinischer Notwendigkeit auch akzeptabel. Denn im Gegensatz zur Null-Diät nehmen Sie eine definierte Menge hochwertiges Eiweiß auf, um zu verhindern, dass körpereigenes Eiweiß abgebaut wird. Kleine Mengen Kohlenhydrate dienen zudem als Energiequelle für das Gehirn.
Das persönliche Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit sind beim modifizierten Fasten deutlich besser, als beim totalen Fasten. Aber auch hier gilt: Ein dauerhafter Erfolg stellt sich nur dann ein, wenn Sie anschließend ausgewogen und kalorienbewusst essen und trinken.

Heilfasten: Selbstheilungskräfte stärken

Ansatz des Heilfasten-Konzeptes nach Buchinger ist es, den Körper von Schlacken zu befreien und seine Selbstheilungskräfte zu wecken, um Krankheiten vorzubeugen oder zu heilen.

 

Als Einstieg in das 3 bis 4-wöchige Fastenprogramm empfiehlt Buchinger eine Darmentleerung, z. B. mit abführendem Glaubersalz oder Entlastungstage, mit Obst oder Reis. Während der Kur ist nur Flüssiges erlaubt: Morgens und nachmittags je ¼ Liter Tee, mittags ¼ Liter Gemüsebrühe, abends ¼ Liter Fruchtsaft und über den Tag verteilt 2 Liter Mineralwasser. Zwischendurch soll der Darm – vorzugsweise durch einen Einlauf – immer wieder gründlich entleert werden.

 

Die Theorie des „Entschlackens“ ist wissenschaftlich nicht begründet. Denn nicht verwertbare Nahrungsbestandteile  sammeln sich nicht als „Schlacken“ im Körper an. Wir scheiden diese bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr über den Darm und die Nieren regelmäßig aus.

Heilfasten: Weitere Varianten mit Saft und fester Nahrung

Beim Saftfasten sind ausschließlich Obst- und Gemüsesäfte sowie Gemüsebrühen erlaubt. Zusätzlich sollen die Fastenden täglich 2 bis 3 Liter Wasser trinken. Wesentliche Bestandteile der Mayr-Kur sind Getränke, altbackene Semmeln, die nach Vorschrift gekaut werden, und Milch. Im Rahmen der Schroth-Kur  wechseln sich so genannte Trocken- und Trinktage ab. An Trockentagen gibt es Getreideerzeugnisse, Trockenobst, Nüsse und Gemüse sowie 1 Liter Flüssigkeit. Nachts sollen Wickel als feuchtkalte, wärmestauende Packung die Ausscheidung von Stoffwechselschlacken und Giftstoffen fördern.

Zusätzliche Informationen zu weiteren alternativen Ernährungsformen finden Sie in der Rubrik Ernährung & Wissen / Alternative Ernährungsformen.

Hilft Fasten beim Abnehmen?

Nach einer Fastenkur besteht die Gefahr, dass Sie rasch wieder zunehmen, weil Sie in der Fastenzeit sehr wenig Energie aufgenommen haben. Ihr Körper hat sich auf die Hungersituation eingestellt, der Grundumsatz ist gesunken und Sie kommen auch nach der Kur lange Zeit mit viel weniger Nahrungsenergie aus. Die Folge: Der Zeiger auf der Waage schnellt nach oben, sobald Sie wieder „normale“ Mengen verzehren.

 

Eine dauerhafte Gewichtsabnahme können Sie nur erreichen, wenn Sie dauerhaft ausgewogen und kalorienbewusst im Sinne der Ernährungspyramide essen. Die Pyramide zeigt Ihnen, welchen Platz die verschiedenen Lebensmittelgruppen auf Ihrem Speiseplan haben sollten. Nutzen Sie auch unseren Ernährungs-Plan. Er kann Sie auf dem Weg zum Wohlfühlgewicht begleiten.

Heilfasten: Die Meinung der DGE

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) sieht Heilfasten nicht als Maßnahme für eine dauerhafte Gewichtsreduktion, urteilt aber weitgehend positiv: „Die vorhandenen Erfahrungsberichte zeigen, dass Heilfastenkuren oftmals zu einer gesundheitsbewussteren Lebensführung und Änderung des Ernährungsverhaltens führen. Das Heilfasten kann damit ein Impuls für die Änderung des Lebensstils und zur Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten sein. Kontraindiziert ist das Fasten z.B. bei Kachexie (Unterernährung), Anorexia nervosa (Magersucht), in Schwangerschaft und Stillzeit, bei erhöhten Harnsäurewerten. Eine Heilfastenkur kann eine medizinisch notwendige Therapie nicht ersetzen.“ Ergänzend bemerkt die DGE, dass die positiven Wirkungen des Fastens kaum bzw. nicht ausreichend wissenschaftlich belegt seien und dass Fasten die Wirkung von Medikamenten beeinträchtigen könne.

Trinken: 3 Liter täglich

Während des Fastens sollten Sie mindestens 3 Liter täglich trinken, um die beim Fasten vermehrt entstehenden Abbauprodukte des Stoffwechsels auszuscheiden. Bevorzugen Sie kalorienfreies Mineral- oder Quellwasser, wie z.B.  CONTREX oder Nestlé AQUAREL.