Schlankmacher auf dem Prüfstand – was hilft wirklich?

Wer hatte nicht schon einmal den guten Vorsatz zum Jahreswechsel, sein Gewicht zu reduzieren? Dabei ist häufig die Verlockung groß, zu einem „Schlankheitsmittel“ zu greifen, um einfach und schnell sein Wunschgewicht zu erreichen. Ob als Pille, Tee, Shake oder Pülverchen, Diätpräparate gibt es eine ganze Reihe. Doch was ist dran an den versprochenen Wirkungen? Wir haben einige Angebote einmal genauer unter die Lupe genommen.
  • Fettblocker - das Mittel der Wahl?

    Fettblocker - was können Sie sich darunter vorstellen? Auf dem Markt erhältlich sind Mittel wie zum Beispiel Formoline, die im Darm einen Teil des Fettes aus dem Essen binden. Die Folge: Das Nahrungsfett samt seiner Kalorien wird ausgeschieden. Chitosan ist solch ein Fettblocker. Es wird aus den Schalen von Krabben oder anderen Meerestieren gewonnen. Ob und wie erfolgreich mit Chitosan die Pfunde purzeln, bleibt trotz verschiedener Studien fraglich. Eine eindeutige Wirksamkeit konnten Fachleute bislang nicht aufzeigen. Zu bedenken sind außerdem häufig vorkommende Nebenwirkungen wie Fettstühle, Bauchkrämpfe und ein Verlust der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K.

    Neben diesen „Fettbindern“ werden andere Substanzen angeboten, die die Verdauung der Nahrungsfette hemmen. Der Wirkstoff Orlistat soll auf diesem Wege zum Wunschgewicht führen. Dies ist belegt, mit Einschränkungen: Fachgesellschaften empfehlen Orlistat nur in Kombination mit einer Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie bei einem Body Mass Index (BMI) von mehr als 30 bzw. 28, wenn Risikofaktoren, wie Bluthochdruck, vorhanden sind.

    Fettblocker sind nach wie vor „in“, da Nahrungsfett häufig noch als Hauptübeltäter für die Entstehung des Übergewichts angesehen wird. Doch dabei dürfen Sie nicht vergessen: Ihr Körpergewicht kann nur sinken, wenn Sie insgesamt weniger Energie mit der Nahrung aufnehmen als Ihr Körper benötigt. Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

    Übrigens: Unser BMI-Rechner zeigt Ihnen, ob Sie mit Ihrem Körpergewicht richtig liegen.

  • Quellstoffe als „Sattmacher“

    Abnehmen ohne zu Hungern – das wäre schön, oder? Mit diesem Versprechen werden verschiedene Quellstoffe angeboten - Ballaststoffe, die gut gekaut werden müssen und dafür sorgen, dass das Essen länger im Magen verweilt. Der versprochene Effekt: Sie bleiben länger satt. Bekannte Beispiele für diese Abnehmmittel sind Bionorm oder CM3 Alginat Kapseln.

    Unter den Quellstoffen finden sich einige Medizinprodukte. Ballaststoffe dieser Sorte finden Sie aber auch in ganz natürlichen Lebensmitteln, wie Carob, der Hülsenfrucht des Johannisbrotbaumes, Guarkernmehl, Leinsamen oder Weizenkleie. Wichtig: Denken Sie dabei immer an eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr – mindestens 1,5 bis 2 Liter sollten es sein. Nur dann können die Ballaststoffe quellen und Sie fühlen sich satt. Denn fehlt den Quellstoffen die Flüssigkeit, kann es zu Verstopfung bis hin zum Darmverschluss kommen.

    Tatsächlich erleichtert Ihnen eine ballaststoffreiche Ernährung das Abnehmen. Unsere Empfehlung lautet hier: Greifen Sie dabei zu natürlichen Lebensmitteln und essen Sie Vollkornprodukte, Obst, Gemüse oder Salat. Tipps für eine ballaststoffreiche Ernährung finden Sie in den Beiträgen „Ballaststoffe“ sowie „Die besten Magenfüller und Hungerstopper“.

  • „Shaken“ Sie sich schlank?

    Wenn es schnell gehen soll – haben Sie schon einmal über eine Formula-Diät nachgedacht? Tüte aufreißen, Milch oder Wasser hinzufügen, rühren und schon ist der „Shake“ fertig. Dabei haben Sie die Wahl, jede Mahlzeit oder nur einzelne durch eine Formula-Diät, wie beispielsweise Almased, zu ersetzen. Gut zu wissen: Der „Shake“ muss Ihnen gewährleisten, dass Sie ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden. Dafür sorgt die Diät-Verordnung, die die Zusammensetzung solcher Formula-Diäten reguliert.

    Zwar bewegt sich der Zeiger auf der Waage mit einer Formula-Diät im Energiedefizit tatsächlich schnell nach unten, es besteht aber die Gefahr, dass es zum so genannten JoJo-Effekt kommt. So schnell wie die Pfunde gepurzelt sind, geht das Körpergewicht gegebenenfalls auch wieder in die Höhe. Möchten Sie dies vermeiden, achten Sie darauf, dass auch ein begleitendes Ernährungs- und Bewegungsprogramm dazu geboten wird. Dies ist wichtig, damit sie auch langfristig erfolgreich sind.

    In bestimmten Fällen sind Formula-Produkte sinnvoll. Personen mit einem BMI von mehr als 30, die mindestens 10 kg Körpergewicht abnehmen möchten, wird z.B. empfohlen, die Abnehmphase mit einer Formula-Diät zu beginnen. Wichtig dabei ist, dass Sie sich von einem Arzt betreuen lassen.

    Unser Tipp: Achten Sie auf Ihr eigenes Essverhalten. Eine bewusste Wahrnehmung hilft Ihnen, Ihr Wunschgewicht langfristig zu halten. Einige Tipps dazu finden Sie hier.

    Weiterführende Links: Diäten unter der Lupe: Optifast®

  • Mate, Pu-Erh und andere Tees

    Tee trinken wir Deutschen zwar nicht so häufig wie Kaffee, wenn es jedoch ums Körpergewicht geht, kommen die Aufgussgetränke ganz groß heraus. Zu Recht? Als Schlankmacher gilt zum Beispiel Grüner Tee. Als „Fettkiller“ werden die darin enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe, die Catechine, angepriesen. Bei Mate-Tee ist es das Koffein, das die Taille schmälern soll. Ähnliches gilt auch für den Pu-Erh-Tee aus China. Koffein soll den Appetit zügeln und die Fettverbrennung anregen. Dies wurde zwar schon häufig erforscht, die Studienergebnisse reichen jedoch nicht aus, um das Getränk als Schlankmacher zu empfehlen.

    Kennen Sie Lapachotee? Er wird aus der Rinde des Lapacho-Baumes in den Regionen zwischen Mexiko und Argentinien hergestellt und als koffeinfreie Variante zum Mate-Tee angepriesen. Wie nun Lapachotee eine Gewichtsreduktion unterstützt, wird im Detail nicht erläutert. Es werden zahlreiche Inhaltsstoffe aufgelistet, wie Vitamin C, B-Vitamine, Mineralstoffe, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide oder Saponine, die hier wirksam sein sollen.

    Es bleibt fraglich, ob bestimmte Tee-Sorten die Körperfette schmelzen lassen. Ausreichend Trinken ist natürlich wichtig, wenn Sie abnehmen möchten. Stellen Sie sich auch ein Getränk zu den Mahlzeiten bereit. Es füllt den Magen, verringert den Hunger und kann unterstützen, weniger zu essen. Weitere Tipps, wie Sie dem Hunger ein Schnippchen schlagen können, geben wir Ihnen hier.

  • Fatburner - L-Carnitin und Co.

    Der Weg klingt verlockend: Essen, und dabei Abnehmen. Dies versprechen so genannte Fatburner, die den Stoffwechsel anregen und so das Körperfett schnell schwinden lassen sollen. Was ist dran an diesem Versprechen?

    Als einer dieser Fatburner gilt L-Carnitin, das den Fettabbau ankurbeln soll, indem es sie zum Ort der Verbrennung transportiert. Sind damit L-Carnitin-Präparate wirkungsvoll? Bestätigen konnten dies die Wissenschaftler bis heute nicht. Denn eigentlich hat Ihr Körper ausreichend L-Carnitin, weil er es selbst herstellt und Sie es mit dem Essen aufnehmen. L-Carnitin ist z.B. im Fleisch enthalten. Ein Zuviel wird vom Körper wieder ausgeschieden.

    Auch Taurin gilt als Wunderwaffe beim Abspecken. Bekannt ist, dass Taurin für die Gallensäureproduktion und damit für die Fettverdauung wichtig ist. Weiterhin soll es aber auch die Bildung von Wachstumshormonen fördern und so beim Abnehmen helfen. Ähnlich wie bei Carnitin nehmen wir einen Teil unseres Bedarfs mit der Nahrung auf, einen weiteren Teil stellt unser Körper selbst her. Und auch hier gilt: Die Wirkung von Taurin-Präparaten beim Abnehmen ist nicht belegt.

    Unsere Empfehlung: Essen Sie ausgewogen und kalorienbewusst, so sind Sie ausreichend mit Nährstoffen versorgt und das Wunschgewicht kann sich langfristig einstellen. Wie Sie dabei Ihre „Gedanken“ in die richtige Richtung lenken, zeigen wir Ihnen in unserem Beitrag „Wohlfühlgewicht. Abnehmen beginnt im Kopf“.

  • Mit Enzymen zur Traumfigur?

    Bereits in den 1920er Jahren gab es Diäten, die versprachen, mit Enzymen aus exotischen Früchten die Pfunde purzeln zu lassen. Wer kennt Sie nicht, die Hollywood-Diät, die nach Aussagen der Anbieter dem einen oder anderen Promi zu seiner Wunschfigur verhalf? Kann das überhaupt sein?

    Groß heraus kamen damals schon Enzyme wie Chymopapain oder Papain aus der Papaya oder Bromelain aus der Ananas. Sie sollen den Fettabbau anregen und Ihnen zum Wunschgewicht verhelfen. In der Theorie klingt das sehr verlockend. Die Wirksamkeit konnte bis heute jedoch nicht nachgewiesen werden. Problematisch ist bereits die Magenpassage. Denn Enzyme bestehen aus Eiweißen und diese werden im Magen verdaut. Enzyme aus Lebensmitteln werden somit inaktiviert, bevor sie an ihren Wirkort kommen.

    Schon einmal von Acai-Beeren aus Brasilien gehört? Auch sie sollen überflüssige Pfunde ganz von alleine „wegschmelzen“. Hier sind es nicht nur verschiedene Enzyme, sondern auch Antioxidantien, z.B. Anthocyanen, sowie Fettsäuren, die wirken sollen. Deren Effekte sind bis heute aber fraglich.

    Doch auch ohne die propagierte Wirkung von Enzymen ist Gemüse und Obst sehr empfehlenswert. Sie haben von Natur aus wenige Kalorien, liefern gleichzeitig aber reichlich Nährstoffe und machen satt. Weitere Tipps zu diesem Thema finden Sie hier.

    So schön es sich auch anhört: Wundermittel in puncto Abnehmen gibt es nicht. Pfunde purzeln nur, wenn Sie weniger Energie mit dem Essen aufnehmen als Ihr Körper verbraucht. Sport und Bewegung im Alltag unterstützt Sie dabei, Ihr Wunschgewicht zu erreichen. Wie dies im Einzelnen aussehen kann, was Sie essen und wie häufig Sie sich bewegen sollen? Am besten beantworten Sie diese Frage ganz für sich alleine. Schauen Sie auf Ihre eigenen Bedürfnisse und Ziele und gehen Sie Ihren eigenen Weg.

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Quellen zum Artikel

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE; Hrsg.): Fatburner – Essen Sie sich schlank in 14 Tagen! 2004
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE; Hrsg.): Substanzen zur Gewichtsreduktion. DGE-info 01/2008
  3. http://www.adipositas-gesellschaft.de/fileadmin/PDF/Leitlinien/050-001l_S3_Adipositas_Praevention_Therapie_2014-06_-_UEA_24.10.2014.pdf
  4. http://www.vz-nrw.de/UNIQ120722770016104/diaeten-mit-bestimmten-produkten
  5. http://www.aok.de/bundesweit/gesundheit/essen-trinken-ernaehrung-fatburner-8546.php
  6. Winkler, G. et al.: Mate – ein „neuer“, koffeinhaltiger Rohstoff für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Ernährungs-Umschau 2014
    http://www.ernaehrungs-umschau.de/media/pdf/pdf_2014/10_14/EU10_2014_M546_M549.pdf
  7. Berges, U.: Exotische Tees mit Wunderwirkung?
  8. UGB-Forum 2/2000 http://www.ugb.de/lebensmittel-im-test/exotische-tees-mit-wunderwirkung/druckansicht.pdf UGB: Wie ist das Schlankheitspräparat Chitosan zu bewerten? http://www.ugb.de/exklusiv/fragen-service/wie-ist-schlankheitspraeparat-chitosan-zu-bewerten/?uebergewicht-abnehmen
  9. Lückerath, E. & Müller, S.-D.: Diätetik und Ernährungsberatung: Das Praxisbuch. Haug-Verlag. 2011
  10. Biesalski, HK & Grimm, P.: Taschenatlas der Ernährung. Thieme Verlag, Stuttgart 2011
  11. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/157771/umfrage/konsum-von-kaffee-in-deutschland-seit-1960/
  12. http://www.kaffeenavigator.de/2014/05/25/wie-viel-tee-wird-in-deutschland-getrunken/
  13. Übergewicht und Grüner Tee: Sanfte Lösung für schweres Problem? Wissenschaftlicher Informationsdienst Tee. Ausgabe 1/2011
    http://www.teeverband.de/wissenschaft/wit_texte_pdf/WIT_2011_Boschmann.pdf
  14. De la Garza, A.L. et al.: Natural Inhibitors of pancreativ lipase as new players in Obesity treatment. Planta Med 77 (2011) 773-785