Heilfasten

Heilfasten nach Buchinger: Der Klassiker im Check

„Dieses Jahr faste ich und tu‘ mir etwas Gutes!“ – auch schon mal gehört oder vielleicht sogar selbst gesagt? Immer mehr Menschen interessieren sich für den freiwilligen Verzicht auf Nahrung und beschäftigen sich mit dem sogenannten „Heilfasten“. Was dahinter steckt und ob Sie Ihren Körper damit tatsächlich heilen können, lesen Sie hier.

Der Artikel im Überblick:

  1. Was ist (Heil)fasten?
  2. Heilfasten: Esoterikquatsch oder wissenschaftlich belegt?
  3. Heilfasten nach Buchinger
  4. Fazit: Heil(t)fasten?!

Was ist Heilfasten überhaupt?

Beim Fasten verzichten Sie für eine begrenzte Zeit komplett auf feste Nahrung und Genussmittel oder begrenzen die Lebensmittelauswahl. Da sich dies aber immer auch auf die Gesundheit auswirken kann, sollten Sie deshalb mit Ihrem Arzt sprechen, wenn Sie fasten möchten.

Woher kommt das Heilfasten?

Ob zu Hause oder in speziell dazu ausgerichteten Hotels im Urlaub, Heilfasten wird schon seit vielen Jahren angeboten und durchgeführt. Es war der deutsche Mediziner Dr. Otto Buchinger, der bereits 1935 ein erstes Programm hierzu entwickelte und den Begriff des Heilfastens prägte. Mit dem Heilfasten werden verschiedene gesundheitliche Ziele verfolgt. Es soll Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, zum Beispiel Diabetes mellitus, oder auch Hauterkrankungen wie Neurodermitis vorbeugen. Auch wird es zur Therapie chronischer Erkrankungen, beispielweise Rheuma, und natürlich auch zur Gewichtsabnahme empfohlen.

Manch einer möchte sich durchs Fasten auch eine Art bewusste Auszeit ermöglichen – physisch UND psychisch. „Freier Magen = freier Kopf“ lautet hier die Devise.

In seiner ursprünglichen Form hatte Fasten das Ziel, Körper und Seele vor religiösen Festen zu reinigen, damit ein Opfer zu bringen oder für begangene Sünden zu büßen.

Heilfasten: Esoterikquatsch oder wissenschaftlich belegt?

Während das Fasten in der Vergangenheit häufig nur als esoterische Spielerei für alternative Lebensgemeinschaften oder religiös-motivierter Brauch betrachtet worden ist, ist es heute ein echter Ernährungstrend. Und auch die Wissenschaft beschäftigt sich damit, denn viele Forscher und Mediziner gewinnen dem kurzfristigen(!) Nahrungsverzicht gute Eigenschaften ab.

Aus alt mach neu mit Heilfasten: Wie Autophagie entsteht

Ein großes Forschungsfeld befasst sich mit der sogenannten Autophagie. Einem der wichtigsten Prozesse in unserem Körper: Hier werden nicht benötigte und kranke Zellbestandteile abgebaut bzw. anders verwertet. Die Zellen quasi gereinigt und recycelt. Dank dieser Art der „Selbstverdauung“ lagert sich kein zellulärer Müll ab, der uns krank macht. Wenn bei unserer Autophagie alles glatt läuft, scheinen wir also besser vor Krebs oder Herzkrankheiten oder bösartigen Bakterien geschützt.

Unser Stoffwechsel und Verdauungsapparat sind eigentlich auf eine Lebensweise ausgerichtet, die regelmäßige Essenspausen und Bewegung kombiniert. Bei kurzzeitigem Energiedefizit – wie eben beim Fasten oder einem auspowernden Training – kommt die gesundheitsfördernde Autophagie daher bevorzugt in Gang. Will heißen: Wer eine Fastenkur macht und/oder sich ausreichend bewegt, kann den Recyclingprozess in seinem Körper verschnellern.

Gut für Gelenke: Warum Heilfasten bei Rheuma helfen kann

Das Heilfasten wird seit geraumer Zeit bei Patienten von Rheumatoider Arthritis eingesetzt, da es kurzzeitig positive Effekte auf die Entzündungen im Körper haben kann. Studien ergeben, dass Patienten während und nach der Fastenkur weniger Beschwerden haben: Die Gelenke schwellen ab und die Schmerzen werden gelindert. Warum ist das so?

  • Während des Fastens nimmt der Mensch keine Arachidonsäure zu sich. Dabei handelt es sich um eine ungesättigte Fettsäure, die in tierischen Lebensmitteln, vor allem in Schweinefleisch enthalten ist. Arachidonsäure legt im Körper eine Basis für entzündungsfördernde Botenstoffe. Sprich: Sie kann bei Rheumapatienten Schmerzen verursachen.
  • Fasten vermindert außerdem das innere Bauchfett, das ebenfalls die Entstehung schädlicher hormoneller Botenstoffe und damit auch Entzündungsvorgänge begünstigt.
  • In Laborwerten von Fastenden konnte außerdem ein Rückgang der erhöhten Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit sowie kleinere Mengen des C-reaktiven Proteins und der erhöhten weißen Blutkörperchen nachgewiesen werden – all das sind Anzeichen für weniger entzündliche Aktivitäten im Körper.

Als langfristige Therapieform kann der Nahrungsverzicht aber natürlich nicht eingesetzt werden. Studienergebnisse haben gezeigt, dass Fasten und eine vegetarische Ernährung im Anschluss einen günstigen Effekt auf die Patienten ausgeübt haben.

Einer der bekanntesten Rheumapatienten war tatsächlich der Arzt Otto Buchinger, der sich „aus der Not heraus“ mit einer eigens entwickelten Heilfastenkur behandelte – und das mit Erfolg.

Heilfasten nach Buchinger: Selbstheilungskräfte stärken

Ansatz des Heilfasten-Konzeptes nach Buchinger ist es, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu wecken und ihn von den sogenannten „Schlacken“ zu befreien. Damit soll Krankheiten vorgebeugt werden oder sie bestenfalls sogar kurieren. Als Einstieg in das drei- bis vierwöchige Fastenprogramm empfiehlt Buchinger eine Darmentleerung, z. B. mit abführendem Glaubersalz und/oder einige Entlastungstage mit Obst oder Reis und Gemüse.

Aber beachten Sie: Die Theorie des „Entschlackens“ ist wissenschaftlich nicht begründet. Denn nicht verwertbare Nahrungsbestandteile sammeln sich nicht als „Schlacken“ im Körper an. Wir scheiden diese bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr über den Darm und die Nieren regelmäßig aus. Wichtig ist also viel zu trinken! Beim Fasten tritt eher der obengenannte Prozess der Autophagie in Kraft.

Entlastungstage: Langsam herantasten

Während dieser Tage nehmen Sie rund 600 Kalorien aus überwiegend Kohlenhydraten und wenig Eiweiß zu sich. Auf Fett, Kaffee, Alkohol, Nikotin und Süßigkeiten verzichten Sie. Wer möchte, kann auch einen ganzen Obsttag einlegen, bei dem etwa zwei Kilogramm frisches Obst auf etwa fünf Portionen aufgeteilt werden. Auch ein Tag mit Reis ist möglich. Dafür werden 50 g Naturreis gargekocht und mit rund 200 g gedünstetem Gemüse gegessen – dreimal täglich. Trinken Sie in dieser Zeit mindestens zwei Liter Wasser oder ungesüßte Tees.

Richtig abführen: So geht’s

  1. Zwei gehäufte Esslöffel Glaubersalz in 750 ml warmes Wasser geben und innerhalb einer Viertelstunde austrinken.
  2. 30 Minuten später einen Liter Wasser oder ungesüßten Tee trinken.
  3. Jetzt läuft’s: Für rund drei Stunden entleert sich der Darm in durchfallartigen Intervallen.

Vorsicht: Wenn Sie einen empfindlichen Magen-Darm-Trakt haben, sollten Sie weniger Glaubersalz trinken oder lieber gleich auf sanfte Abführtees oder Einläufe setzen.

Heilfasten nach Buchinger: die Fastentage

Während der Kur ist nur Flüssiges erlaubt: morgens und nachmittags je ¼ Liter Tee (etwas Honig ist erlaubt und gut für den Blutzucker), mittags ¼ Liter frisch gepresster Fruchtsaft, abends ¼ Liter heiße Gemüsebrühe (selbst gemacht) und über den Tag verteilt zwei Liter Mineralwasser oder ungesüßten Tee.

Was Sie sonst noch für Körper und Geist tun können:

  • Sich täglich bewegen, leichte Sportübungen, z. B. Yoga, es darf auch geschwitzt werden
  • Sich mit einer Wärmflasche auf dem Bauch warmhalten
  • Haut reinigen und pflegen
  • Stress meiden und viel entspannen
  • Meditieren
  • Zwischendurch den Darm – vorzugsweise durch einen Einlauf – immer wieder gründlich entleeren

Sie sehen, nicht nur das „Nichtsessen“ ist für eine erfolgreiche Fastenkur entscheidend. Regelmäßige Bewegung und Entspannung sind ebenso wichtige Faktoren für einen gesunden Verlauf!

Heilfasten im Praxis-Check – worauf Sie achten sollten

Überstürzen Sie nichts: Wenn Sie trotz allem Heilfasten möchten, so gehen Sie mit Bedacht an die Sache heran und planen Sie gut. Zunächst einmal ist wichtig zu wissen: Fasten ist nicht für jeden geeignet. So ist beispielsweise Kindern und Jugendlichen, die sich im Wachstum befinden, an einer Essstörung erkrankten Personen sowie Schwangeren und Stillenden auf jeden Fall davon abzuraten. Auch sollten Sie bei erhöhten Harnsäurewerten darauf verzichten, da während des Fastens vermehrt Harnsäure anfällt, diese nicht wie gewohnt ausgeschieden werden und es zu akuten Gichtanfällen kommen kann.

Beachten Sie auch immer, dass Fasten zu verschiedenen Nebenwirkungen führen kann, zum Beispiel ein Absenken des Blutdrucks, Herzrhythmusstörungen oder Schwindelgefühle. Für jeden gilt: Vor einer Heilfastenkur ist ein Vorab-Check bei Ihrem behandelnden Arzt auf jeden Fall anzuraten. Auch eine fachkundige Betreuung während des Heilfastens ist sinnvoll.

Fazit: Heil(t)fasten?!

Fragen, die auch Sie sich bestimmt schon gestellt haben: Kann ich mit Heilfasten wirklich Krankheiten heilen? Oder: Ist Heilfasten eine sinnvolle und gesunde Methode, um mein Wunschgewicht zu erzielen? Mit diesen Themen beschäftigen sich viele Fachgesellschaften und Wissenschaftler, wie auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Sie sieht das Heilfasten nicht als geeignete Maßnahme zur Gewichtsreduktion. Zwar geht der Zeiger auf Ihrer Waage am Ende einer Fastenwoche nach unten, kritisch zu sehen ist dabei jedoch der Verlust an Eiweiß in Ihrem Körper, der sich beispielsweise in einem Abbau der Muskelmasse zeigt. Hier kann das modifizierte Fasten mit eiweißhaltigen Lebensmitteln eine Alternative sein, da Ihr Körper nicht auf eigene Eiweißreserven zurückgreifen muss.

So oder so besteht aber immer auch die Gefahr des Jo-Jo-Effekts, wenn Sie nach der Fastenkur wieder genauso wie vorher essen.

Während Fasten, wie oben erwähnt, immer häufiger bei Rheumapatienten zum Einsatz kommt, wird die Eignung als begleitende Krebstherapie noch erforscht. Bekannt ist, dass die verstärkte Autophagie bei gesunden Zellen theoretisch Krebs verhindern kann, bei bereits bestehenden Krebszellen kann das Wachstum dadurch aber sogar beschleunigt werden. Außerdem muss auch immer beachtet werden, welche Zellart von der Krankheit betroffen ist und in welchem Stadium sich der Patient befindet. Außerdem darf keinesfalls gefastet werden, wenn es vorab schon zu starken Gewichtsabnahmen gekommen ist. Davon, eine derartige Erkrankung einfach „aushungern“ zu wollen, ist also definitiv abzuraten!

Und auch hier ist noch einmal zu sagen: die Begriffe „Schlacke“ oder „Entgiftung“ sind wissenschaftlich nicht belegt! Sollten Sie sich für das Heilfasten entscheiden, so sprechen Sie vorab in jedem Fall mit Ihrem Arzt.

ABER: Heilfasten kann als mögliche Starthilfe hin zu Ihrem Wunschgewicht und einer gesundheitsbewussteren Lebensführung betrachtet werden, da das Essen in der Regel nach einer gewissen Zeit der Karenz bewusster wahrgenommen wird. Wer sich also ausgewogener ernähren möchte, kann über ein paar Fastentage nachdenken.