Kinder und Videospiele

Playstation, Nintendo & Co – der richtige Umgang mit Computer- und Videospielen

Die Vorteile von Video-und Computerspielen werden oft unterschätzt. Viel häufiger befürchten Erwachsene, dass sie Kinder bewegungs- und denkfaul und im schlimmsten Fall aggressiv machen. Dabei können gute Spiele gerade das Gegenteil bewirken: Sie verbessern die Konzentration und schulen analytische genauso wie motorische Fähigkeiten. Außerdem bereitet der spielerische Umgang mit dem Computer ein Kind gut auf das Berufsleben vor, denn in fast allen Berufen kommen sie zum Einsatz.

Gute Videospiele erkennen

Die Prüfung und Bewertung von Computerspielen ist Aufgabe der Obersten Landesjugendbehörden (OLJB), in Zusammenarbeit mit der Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle (USK). Bei dieser Prüfung werden die Spiele mit einer der folgenden Altersfreigaben gekennzeichnet.

  • Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß § 14 JuSchG: Diese Spiele sind aus Sicht des Jugendschutzes für Kinder jeden Alters unbedenklich. Sie sind aber nicht zwangsläufig für kleinere Kinder verständlich.
  • Freigegeben ab 6 Jahren gemäß § 14 JuSchG: Die Spiele wirken abstrakt-symbolisch, comicartig oder in anderer Weise unwirklich. Spielangebote versetzen den Spieler möglicherweise in etwas unheimliche Spielräume oder scheinen durch Aufgabenstellung oder Geschwindigkeit zu belastend für Kinder unter sechs Jahren.
  • Freigegeben ab 12 Jahren gemäß § 14 JuSchG: Diese Spiele enthalten kampfbetonte Grundmuster in der Lösung von Aufgaben, etwa durch Technikfaszination (historische Militärgerätschaft, Science-Fiction-Welt etc.) oder durch das Nachspielen tapferer Rollen aus Sagenwelten. Die Gewalt ist aber immer in Szenarien eingebunden, die dem realen Alltag unähnlich sind.
  • Freigegeben ab 16 Jahren gemäß § 14 JuSchG: Diese Spiele enthalten viele bewaffnete Aktionen, mitunter gegen menschenähnliche Spielfiguren. Die Spiele lassen fiktive oder historische kriegerische Auseinandersetzungen nachvollziehen. Damit der Spieler sein Handeln richtig reflektieren kann, muss er über soziales Urteilsvermögen verfügen.
  • Keine Jugendfreigabe gemäß § 14 JuSchG: Diese Spiele sind reine Erwachsenenprodukte. Wird es an unter 18-Jährige abgegeben, drohen Ordnungsstrafen bis 50.000 Euro. Der Inhalt ist geeignet, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu einer gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen.

Anhand der Altersfreigaben können Eltern altersgerechte Spiele für ihr Kind kaufen. Problematisch sind Kopien von Video- und Computerspielen. Darum sollten nur Exemplare mit USK-Angabe eingesetzt werden. Allerdings heißt die Freigabe eines Spiels für die Altersgruppe nicht gleichzeitig, dass das Spiel pädagogisch besonders wertvoll ist. Am Ende dieses Artikels bekommen Sie ein paar Tipps für altersgerechte Spiele mit Anspruch.

Problemfall: Das Spiel, das aus dem Internet kommt

Die USK-Altersfreigaben können Eltern nur zuverlässig bei Spielen aus dem Laden kontrollieren. Einige Internethändler dagegen bieten Spiele ohne Rücksicht auf das Alter der Käufer an. Wie generell beim Aufenthalt ihres Kind im Internet müssen Eltern deshalb auf Aufklärung und Regeln setzen.

Was Eltern im Umgang mit Computerspielen beachten sollten

Eltern wissen mit der Begeisterung ihrer Schützlinge für Computer- und Videospiele oft nichts anzufangen, weil sie nur wenig darüber wissen. Um das eigene Kind besser zu verstehen, ist es unvermeidbar, sich mit den Spielen zu beschäftigen. Auch wenn das nicht unbedingt die eigenen Interessen trifft, mit den folgenden Tipps bekommen Sie einen leichteren Zugang in die noch unbekannte Spiele-Welt:

  • Informieren Sie sich! Auf Online-Spielemagazinen wie www.spieleratgeber-nrw.deerfahren Sie, welche Arten von Spielen (Genres) es gibt. Außerdem können Sie die Inhalte und Altersfreigaben gängiger Spiele recherchieren.
  • Sprechen Sie mit ihrem Kind über seine Spiele! Fragen Sie, worum es dabei geht, wie viel Gewalt es gibt und wie es sich dabei fühlt, andere Spielfiguren abzuschießen.
  • Spielen Sie mit! Nur so haben Sie die Chance, die Faszination des Spiels zu verstehen und eine eventuelle Angst vor der zunehmenden Gewaltbereitschaft Ihres Kindes zu verlieren. Solange Sie mitreden, bleiben Sie über seine Aktivitäten auf dem Laufenden.
  • Seien Sie ehrlich! Wenn Ihnen ein Spiel zu brutal erscheint, sagen Sie es Ihrem Kind und ziehen Sie eine Grenze, welche Spiele erlaubt sind.
  • Machen Sie Zeitvorgaben! Computerspiele können eine Suchtwirkung entfalten. Regeln Sie deshalb, ebenso wie beim Fernsehen den täglichen Konsum: 3- bis 4-Jährige sollten nicht länger als zwanzig Minuten am Tag spielen. Zwischen 5 und 10 Jahren kann die Spielzeit langsam auf etwa 45 Minuten erhöht werden. Die Spielzeit eines 11- bis 15-Jährigen sollte ein bis maximal zwei Stunden betragen.
  • Legen Sie verbindliche Reihenfolgen fest! Nach der Schule erst eine Pause, dann die Hausaufgaben, dann Spiele.
  • Fragen Sie andere Eltern, wie sie mit dem Spielekonsum Ihrer Kinder umgehen! Informieren Sie sich gegenseitig. Das gibt Sicherheit und Kompetenz.

Andere Eltern sowie die Lehrer können Sie auch ansprechen, sobald Sie finden, dass sich Ihr Kind durch die Computerspiele zum Nachteil verändert.

Spiele-Tipp

Das Bundesfamilienministerium empfiehlt unter anderem die folgenden Spiele:

  • Ab 5 Jahren: Das Lernspiel „Caillou-Kindergarten“ (ca. 15 Euro).
  • Ab 10 Jahren: Das Logikspiel mit Experimenten „cm2 – Crazy Machines II“ (ca. 20 Euro).
  • Ab 12 Jahren: Das Online-Rollenspiel „Bounty Bay“ (ca. 15 Euro) aus der Piratenwelt.
  • Ab 14 Jahren: Das anspruchsvolle Strategiespiel „Civilization IV – Complete“ (ca. 30 Euro).

Eine ausführliche Liste mit guten Computer- und Videospielen finden Sie in dieser Broschüre des Bundesfamilienministeriums.