Dünne Kinder

Dünn, dünner, am dünnsten: Wenn Essen zum Problem wird

Als Eltern geraten Sie zu Recht in Sorge, wenn Ihre Tochter oder Ihr Sohn auffallend dünn ist oder in letzter Zeit kontinuierlich abgenommen hat. Mögliche Ursachen sind ein Wachstumsschub, aber auch die Magersucht oder eine andere Erkrankung können dahinter stecken. Besuchen Sie mit Ihrem Kind einen Arzt, um mögliche organische Ursachen ausschließen zu können. Sollte sich der Verdacht auf Magersucht bestätigen, ist es wichtig, dass Sie sich intensiv mit der Krankheit beschäftigen und für sich und Ihr Kind professionelle Hilfe suchen.

Typische Kennzeichen der Magersucht

Magersüchtige sind stark untergewichtig, halten sich aber dennoch für zu dick. Deshalb essen sie kaum etwas, wiegen sich ständig und hungern selbst dann weiter, wenn ihr Gewicht bereits bedenkliche Ausmaße angenommen hat. Ob Ihr Kind zu dünn ist, können Sie mit unserem BMI-Rechner herausfinden. Neben der extrem eingeschränkten Nahrungsaufnahme haben viele Magersüchtige auch den Drang, sich ständig zu bewegen. Sie sind häufig mehrere Stunden am Tag sportlich aktiv, mit dem Ziel noch weiter abzunehmen.


Folgende Verhaltensweisen können typisch sein:

  • Ihr Kind kocht gern für die ganze Familie, isst selbst aber kaum etwas oder täuscht vor zu essen, indem es kaut und die Nahrung anschließend ausspuckt, sobald es sich unbeobachtet glaubt.
  • Magersüchtige essen extrem langsam und manchmal extrem heiß oder kalt.
  • Betroffene wiegen sich häufig und neigen zu Kontrollzwang und Perfektionismus.
  • Sie sind übertrieben verantwortungsbewusst gegenüber Eltern und Geschwistern sowie extrem leistungsorientiert – auch in der Schule.
  • Manchmal sind sie übertrieben sparsam, reinlich und leben ausgesprochen spartanisch.
  • Emotional ziehen sich Magersüchtige zurück und sind für Andere nur schwer erreichbar.
  • Schwarzweißdenken und depressive Verstimmungen sind ebenfalls typisch.
  • Betroffene weigern sich über lange Zeit, sich ihre Krankheit einzugestehen.

Ursachen und Folgen der Magersucht

Die Ursachen der Krankheit sind sehr vielschichtig. Sie können beispielsweise im familiären Umfeld liegen. Hier setzt das Familiendynamische Erklärungsmodell an: Magersüchtige kommen oft aus Familien mit starken Bindungen, großem Harmoniebestreben und hohen Anforderungen an die einzelnen Familienmitglieder. Die Krankheit kann in diesem Fall ein Ventil für Spannungen und Konflikte sein. Typisch für Magersüchtige ist ein extrem angepasstes Verhalten in der Kindheit. Sie können sich nur als eigenständig erleben, wenn sie stärker sind als der Hunger und demonstrieren auf diese Weise Macht über ihren eigenen Körper. Das Psychoanalytische Erklärungsmodell geht davon aus, dass die Magersucht dazu dient, sexuelle Wünsche zu unterdrücken und pubertäre Entwicklungskrisen zu beenden, um in die "heile" Kinderwelt zurückzukehren.


Wichtig ist, dass die Krankheit bei Ihrem Kind frühzeitig festgestellt wird, denn sie kann lebensbedrohlich werden. Brüchige Knochen, kranke Nieren und Depressionen sind nur einige der gesundheitlichen Auswirkungen der Magersucht. Circa 15 Prozent der lebensbedrohlich Erkrankten sterben sogar an den Folgen.

Tipps für Eltern von Magersüchtigen

Machen Sie sich frei davon, dass Ihr Kind lediglich zunehmen muss, um wieder gesund zu werden. Das niedrige Gewicht ist nur ein äußeres Zeichen für tiefer liegende Probleme. Ein Therapeut kann feststellen, was die Ursachen für die Magersucht Ihres Kindes sind. Suchen Sie sich auch Hilfe von einer Beratungsstelle. Adressen finden Sie im Internet unter: http://www.bzga-essstoerungen.de. Eine medizinische Betreuung ist unumgänglich.


Konfrontieren Sie Ihr Kind mit Ihrem Wissen über die Krankheit und motivieren Sie es zu einer Therapie. Zwingen Sie es aber nicht dazu. Erzählen Sie, was Sie fühlen und denken und sprechen Sie über Ihre Befürchtungen und Ängste. Vermeiden Sie aber Vorwürfe und Schuldzuweisungen. Meist ist es sinnvoll, die Familie in die Therapie mit einzubeziehen.


Ihr Kind ist vermutlich sehr willensstark, sonst könnte es nicht so extrem hungern. Vermitteln Sie ihm, dass es auch Fehler machen und sich etwas Gutes gönnen darf. Leben Sie Ihrem Kind vor, dass auch Sie kein perfekter Mensch sind und Unterstützung von anderen brauchen. Dann wird es vielleicht Ihrem Vorbild folgen.

Hier finden Sie Hilfe

Das Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA ist montags bis donnerstags von 10.00 bis 22.00 Uhr, freitags bis sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr besetzt. Die Telefon-Nummer lautet: 0221-892031.
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