Kinder beim Fernseh schauen

Tschüss Schnulli, hallo Smartphone: Kinder und Medienkompetenz

Haben Sie auch einen kleinen „Digital Native“ zu Hause? Kinder heutzutage wachsen mit Internet, Social Media und Smartphone auf. Ihre Welt ist von (digitalen) Medien geprägter als die ihrer Eltern es jemals war. Dem Mama und Papa dann oft hilflos gegenüber, müssen es aber gleichzeitig auch respektieren und sich folgenden Fragen stellen: Wie viel Zeit vor dem Bildschirm ist eigentlich okay und wie bringen wir unseren Kindern bei, verantwortungsbewusst mit Medien umzugehen?

Der Artikel im Überblick:

Welche Mediengeräte unseren Kindern begegnen

Der Begriff Medium, im Plural Medien, hat einen lateinischen Ursprung und bedeutet so viel wie Mitte oder Mittelpunkt. Im Altgriechischen steht es für Öffentlichkeit und Allgemeinwohl. Ein Medium ist ein Kommunikationsmittel und meist sind damit die Massenmedien gemeint. Sprich Wege, durch die Informationen einer Vielzahl von Menschen zugänglich gemacht werden können: Darunter fallen beispielsweise Zeitung, Radio, Fernseher und auch neue Medien, wie Internet auf unseren Smartphones, Tablets & Co.

Damit Kinder diese Medien verantwortungsvoll nutzen, brauchen sie Medienkompetenz. Aber was ist das eigentlich?

Wer über Medienkompetenz verfügt …

… konsumiert nicht wahllos, sondern sucht sich aus dem großen Angebot das aus, was ihn tatsächlich interessiert.

… steht Inhalten wie Werbung auch kritisch gegenüber und hinterfragt deren Botschaft.

… nutzt Medien auch, um sich kreativ auszuleben und mit anderen auszutauschen.

… kann Inhalte richtig einordnen und entsprechend verarbeiten.

Das alles können Kinder aber nicht von Geburt an – sie müssen Medienkompetenz erlernen wie lesen und schreiben. Wir Erwachsenen übernehmen diese Aufgabe.

Tippen, Wischen, Zoomen! Ab wann ein Kind welche Medien nutzen kann

Auch wenn unsere Jüngsten nicht mit der nötigen Medienkompetenz geboren werden, ist die Bedienung von neuen Mediengeräten wie Tablets, Smartphones & Co. kinderleicht. Aber ab wann sollten Kids sie wirklich benutzen? Das hängt zuerst einmal vom individuellen Entwicklungsgrad ab. Experten empfehlen hier oft die Richtwerte der sogenannten 3-6-9-12-Regel.
  • UNTER DREI JAHREN: keine Bildschirmmedien wie TV, Spiele-Apps auf dem Tablet & Co. Das Fühlen, Sehen, Riechen, Schmecken und Hören realer Objekte sowie die Erfahrungen mit ihnen sind für die Entwicklung des kindlichen Gehirns unabdingbar und in diesem Alter viel wichtiger.
  • UNTER SECHS JAHREN: keine eigene Spielekonsole. Oft fehlt die nötige Reife, um das Gerät verantwortungsvoll zu bedienen.
  • UNTER NEUN JAHREN: kein eigenes Smartphone. Die Initiative „Schau hin!“ empfiehlt das erste Smartphone sogar erst mit elf oder zwölf Jahren, wenn das Kind die Grundschule verlassen hat und seine Erreichbarkeit von Vorteil ist. Vorher sollten Kinder die gesicherten Handys oder Tablets der Eltern unter Aufsicht nutzen.
  • UNTER ZWÖLF JAHREN: keine unbeaufsichtigte Computer-/Internetnutzung. Auch hier fehlt oft noch die nötige Reife.

Wie lange sollten Kinder Bildschirmmedien verwenden?

Auch hier gibt es keine allgemeingültige Regel, aber eine Expertenempfehlung. Während Kinder unter drei Jahren gar keine Bildschirmmedien verwenden sollten, steigert sich danach die „erlaubte“ Bildschirmzeit (gilt für TV, Internet, Smartphones, PC und Games) mit dem Lebensalter. Jedoch sollten Sie das Medienverhalten Ihres Kindes stets individuell betrachten und die Zeit „vor der Glotze“ danach richten.
Alter Wie lange?
3-5 Jahre 30 Minuten
6-9 Jahre 45-60 Minuten
Ab 10 Jahren Zehn Minuten pro Lebensjahr am Tag oder eine Stunde pro Lebensjahr in der Woche
Quelle: „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“ – eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der öffentlich-rechtlichen Sender Das Erste und ZDF sowie der Programmzeitschrift TV SPIELFILM.

Warum gibt es diese Richtwerte?

Ein auffällig hoher Medienkonsum kann tatsächlich die Entwicklung von Kindern beeinträchtigen. Bei Säuglingen treten vereinzelt Fütter- und Einschlafstörungen auf, Kleinkindern drohen (Sprach-)Entwicklungsstörungen und Grundschülern Konzentrationsschwierigkeiten. Allgemein kann es zu motorischer Hyperaktivität kommen.

Kinder und Fernsehen, Smartphone & Co. – Tipps & Tricks

Eine zeitliche Orientierung allein reicht nicht. Damit Ihr Sprössling den verantwortungsvollen Umgang mit Medien erlernt, ist nicht nur das „Wie lange?“, sondern auch das „Wie?“ besonders wichtig. So können Sie die Mediennutzung Ihres Kindes positiv beeinflussen:
  • Legen Sie Regeln zum Gebrauch fest, mit Ausnahmen an besonderen Tagen. Wenn große Sportereignisse stattfinden oder ein schöner Weihnachtsfilm im TV läuft, können Kids ruhig auch mal ein wenig länger fernsehen.
  • Setzen Sie Medien allerdings nicht als Erziehungsmaßnahme ein, wie etwa: „Wenn du brav bist, darfst du TV schauen.“
  • Bestimmen Sie auch fernsehfreie Tage.
  • Kein TV, Tablet etc. im Kinderzimmer; am Esstisch ist ebenfalls medienfreie Zone.
  • Schauen Sie gemeinsam fern und sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber: Wer oder was gefällt ihm z. B. gerade besonders gut?
  • „Zappen verboten!“ Wählen Sie gezielt und gemeinsam ein altersgerechtes Programm aus.
  • Bieten Sie Ihrem Kind genügend Alternativbeschäftigungen.
  • Vermeiden Sie eine mediale Dauerberieselung. Der Fernseher darf kein Ersatz für Gesellschaft werden.
  • „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“ Erklären Sie Ihrem Kind, was Werbung ist und wie sie genutzt wird.
  • Morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Zubettgehen bleiben die Bildschirmmedien aus. So starten Kids bewusster in den Tag bzw. kommen besser zur Ruhe.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind, wie es die Medien kreativ nutzen kann: Bilder bearbeiten, Musik aufnehmen, Filme drehen usw.

Checkliste fürs erste Smartphone

Schneller als Eltern denken wird das Handy ein großes Thema zu Hause. Schon Babys sind fasziniert von den leuchtenden Dingern, von denen auch Mama und Papa oft nicht die Finger lassen können. Während kleinen Kindern von einem eigenen Smartphone abgeraten wird, können sie sich bei größeren als äußerst nützlich erweisen. Gerade auch, was die Erreichbarkeit für die Eltern betrifft. Besucht das Kind nach der Grundschule eine weiterführende Schule, muss es oft weitere Wege zurücklegen. Da ist es gut, wenn seine Eltern es zwischendurch kontaktieren können.

Wenn Sie noch unsicher sind, ob Ihr Nachwuchs über die nötige Medienkompetenz verfügt, kommt hier eine kleine Hilfe. Füllen Sie die Checkliste aus und machen Sie den Test.

Mein Kind …

 … kann gute Gründe für ein eigenes Smartphone vorbringen.
 … hat bereits Medienerfahrung.
 … weiß, dass das Smartphone regelmäßig Geld kostet und zusätzliche Kosten durch In-App-Käufe etc. entstehen können.
 … kann mit Geld umgehen und sich an den Handykosten beteiligen.
 … hat sich bereits mit den Gefahren des Internets und Cybermobbing beschäftigt.
 … kann sichere Passwörter erstellen und weiß auch, dass es sie hin und wieder ändern muss.
 … erkennt Werbung, Product Placement und Fake News.
 … ist vorsichtig beim Versenden und Posten von Fotos oder Videos.
 … achtet auf die Bewahrung privater Daten von sich selbst und anderen.
 … weiß, wann Bluetooth, W-Lan und GPS besser ausgeschaltet werden.
 … hält vereinbarte Nutzungsregeln und Medienpausen (beim Essen oder vorm Schlafengehen) ein.
 … nutzt das Smartphone nicht, um andere zu ärgern.
 … ist bereit, mir Bescheid zu geben, wenn es unangemessene Inhalte bemerkt oder glaubt, online hinters Licht geführt zu werden.

Können Sie bei fast allen Punkten ein Häkchen setzen? Vielleicht ist es dann an der Zeit, tatsächlich über ein erstes Smartphone für Ihr Kind nachzudenken.

Kinder und das Internet – Tipps & Trick

Würden Sie ein Kind im Grundschulalter für mehrere Stunden völlig allein mit einer wildfremden Person lassen, die potenziell gefährlich sein könnte? Wahrscheinlich nicht. Genauso sollten Sie es mit der Nutzung des Internets halten. Kinder mit wenig Medienerfahrung surfen besser nicht unbeaufsichtigt bzw. ohne Ansprechpartner. Es drohen stets Gefahren wie Cybermobbing, Belästigungen, Gewalt, Extremismus und nicht altersgerechte Inhalte – damit müssen junge Menschen erst einmal umzugehen lernen. Dennoch eröffnet das Internet Kindern einen Zugang zu einer völlig neuen Welt und erweitert ihren Horizont. Sie lernen früh, wie man sich mit Informationen versorgt, auf internationaler Ebene mit Menschen kommuniziert und sich kreativ auslebt. Auch in der Schule gehört das Internet einfach dazu. Verwehren sollten Sie Kindern den Zugang also keinesfalls. Wie Sie Ihren Nachwuchs beim Start ins WWW unterstützen, lesen Sie hier.
 
  • Ist Ihr Kind im Vorschulalter, können Sie gemeinsam kindgerecht aufgearbeitete, werbefreie Seiten ansehen.
  • Schulkinder, die bereits gut lesen, schreiben und die wichtigsten Sicherheitsregeln kennen, dürfen auch schon alleine surfen – aber haben Sie stets ein Auge darauf. Downloads, Anmeldungen und Co. sollten immer durch die Eltern geschehen.
  • Vereinbaren Sie Familienregeln über Surfinhalte: „Für was nutzen wir das Internet?“
  • Lassen Sie Ihre Kids Kindersuchmaschinen verwenden, diese leiten zu pädagogisch geprüften Inhalten weiter. (https://www.blinde-kuh.de/index.html, https://www.fragfinn.de/, https://www.helles-koepfchen.de/)
  • Legen Sie feste Surfzeiten fest. Für Kinder ab zehn Jahren gilt auch hier: zehn Minuten pro Lebensjahr am Tag oder einer Stunde pro Lebensjahr in der Woche.
  • Tauschen Sie sich mit Ihrem Kind stets über seine Onlinefreundschaften und Aktivitäten aus.
  • Sichern Sie alle Geräte (Extra-Account für die Kids, Alterseinschränkungen, Zeitlimits, Jugendschutzprogramme).
  • Sensibilisieren Sie Ihren Nachwuchs für persönliche Daten (z. B. Gewinnspiele) und sichere Passwörter.
  • Klären Sie über Internet- und Computerspielabhängigkeit auf.
  • Informieren Sie Ihr Kind über Urheberrechte: „Was ist legal im Netz?“
  • Wenn Ihr Kind unangemessene Inhalte entdeckt, melden Sie diese sofort und sprechen Sie gemeinsam darüber.

„Mama, ich will Insta!“ Welche App ab wann?

Wenn Ihre Kinder ein Smartphone oder Tablet nutzen, wird früher oder später die Frage nach den beliebtesten Apps aufkommen. Die Hersteller der Anwendungen führen in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen verschiedene Mindestalter auf, manchmal wird für die Anmeldung auch die Einwilligung der Eltern benötigt. Hier haben wir Ihnen die bekanntesten Apps aufgelistet.
 
  • Instagram: Das Mindestalter für die Anmeldung beträgt 13 Jahre.
  • TikTok: Das Mindestalter beträgt 13 Jahre, außerdem wird bei Minderjährigen die Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten verlangt.
  • YouTube: Kinder unter 18 Jahren benötigen für die Registrierung und das Ansehen der Videos streng genommen die Zustimmung der Eltern. Zur Anmeldung brauchen sie ein Google-Konto, das erst ab 16 Jahren durch das Einverständnis der Erziehenden freigeschaltet werden darf. Für jüngere Kinder gibt es YouTube Kids. Hier erfolgt die Anmeldung ebenfalls über die Erziehungsberechtigten.
  • WhatsApp: Das Mindestalter beträgt 16 Jahre. Unter-16-Jährige benötigen die Erlaubnis der Erziehungsberechtigen.
  • Snapchat: Das Mindestalter beträgt 13 Jahre.
  • Facebook: Das Mindestalter beträgt 13 Jahre. Vor ihrem 16. Geburtstag benötigen Jugendliche außerdem das Einverständnis der Eltern, wenn es um Profilangaben wie etwa die Religionszugehörigkeit oder politische Ansichten geht. Auch die Anzeige personalisierter Werbung auf Basis von Daten anderer Unternehmen soll durch die Erziehungsberechtigten kontrolliert werden.

Fazit

Kinder benötigen ein ausreichendes Maß an Medienkompetenz, bevor sie sich einigermaßen sicher in der Welt des Internets, des TV-Programms und der Spielekonsolen bewegen können. Dies lernen sie von ihren Erziehungsberechtigten, den Lehrern und auch durch die Medien selbst. Umso wichtiger, dass die Verantwortlichen selbst ein gutes Vorbild abgeben. Dauer und Art der Mediennutzung hängt stets vom Entwicklungsgrad eines Kindes ab – deshalb gibt es dafür ausschließlich Richtwerte. Auch hier werden wieder die Erziehungsberechtigten in die Pflicht genommen, die Fähigkeiten ihrer Schützlinge entsprechend zu beurteilen und zu fördern.

Quellen zum Artikel

  1. https://www.kindergesundheit-info.de/themen/medien/mediennutzung/medienerziehung/
  2. https://www.schau-hin.info/tipps-regeln/sicheres-internet-fuer-kinder
  3. https://www.schau-hin.info/grundlagen/ab-welchem-alter-instagram-youtube-und-co
  4. https://www.schau-hin.info/medienzeiten
  5. Pressemeldung des Bundesgesundheitsministeriums und der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, 29.5.2017
  6. https://www.kindergesundheit-info.de/fileadmin/user_upload/kindergesundheit-info.de/Download/Medienumgang/downloads_fernsehen-computer_spielen_03.pdf
  7. https://www.drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/Drogenbeauftragte/2_Themen/3_Praevention_und_Behandlung/Downloads/190114_BMG_Aktionsflyer_Medienkompetenz_BF.pdf
  8. https://www.schau-hin.info/fileadmin/content/Downloads/Infografiken/Checkliste_Erstes_Smartphone.pdf
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