Kinder und Fernsehen

Spielzeug Flimmerkiste – Was Eltern über den Fernsehkonsum ihrer Kinder wissen sollten

Stellen Sie einem Kind die Frage „Welche Dinge würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?“, steht mit großer Wahrscheinlichkeit der Fernseher ganz oben auf der Wunschliste. Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums schauen schon 3- bis 5-Jährige im Durchschnitt 73 Minuten täglich fern. Kinder im Alter von 6 bis 9 Jahren bringen es auf 85 Minuten und die 10- bis 13-Jährigen sogar auf 106 Minuten pro Tag. Dieser Konsum liegt eindeutig über den Empfehlungen. Aber wie können Eltern erreichen, dass der eigene Nachwuchs weniger TV und wenn, dann wenigstens hochwertigere Sendungen schaut?

So viel TV ist in Ordnung

Die empfohlene Fernsehzeit pro Tag hängt in erster Linie vom Alter des Kindes ab. Das Bundesfamilienministerium rät, 3- bis 5-Jährige nicht länger als eine halbe Stunde fernsehen zu lassen. Für Kinder zwischen 6 und 9 Jahren erhöht sich die Dauer auf 45 Minuten. Kinder ab 10 Jahren sollten nicht mehr als eine Stunde täglich vor der Flimmerkiste verbringen. Von dieser Empfehlung kann am Wochenende, wenn ein Spielfilm kommt, auch einmal abgewichen werden. Und natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Kinder die empfohlenen Zeitlimits nicht ausschöpfen möchten.

Neben der Zeit, die das Kind vor dem Fernseher sitzt, ist übrigens auch die Zeit vor dem Computer zu berücksichtigen. Nach einer TV-Stunde hat ein 11-Jähriger lang genug auf den Bildschirm geschaut, sodass er nicht noch eine weitere Stunde Computer spielen sollte. Will er weder auf Fernseher noch auf Computer verzichten, muss er seine 60 Medien-Minuten auf beide Freizeitbeschäftigungen aufteilen.

Tipps gegen die Vormacht der Flimmerkiste

Es gibt keine Patentrezepte, um ein Kind zu weniger Fernsehen zu bewegen. Auf jeden Fall tut es gut, bevor man Regeln für das Kind aufstellt, in den Spiegel zu schauen. Denn den Fernsehkonsum der Kinder übertreffen Erwachsene locker: Im Durchschnitt zappt ein erwachsener Deutscher täglich 3 Stunden und 47 Minuten durch die Kanäle. Wenn Eltern den TV-Konsum ihrer Kinder einschränken wollen, heißt das deshalb auch, eigene Gewohnheiten zu hinterfragen. Auf dieser Basis können folgende Tipps schon viel bewirken:

  • Lassen Sie den Fernseher nicht nebenher laufen, etwa wenn die Familie isst oder die Wohnung aufräumt.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie selbst sich Ihre Sendungen aussuchen. Seien Sie also ein Vorbild.
  • Stellen Sie einem Kind unter 12 Jahren keinen Fernseher ins Kinderzimmer. Kontrollieren Sie bei älteren Kindern, dass sie nicht länger als die festgelegte Zeit schauen.
  • Bieten Sie Ihrem Kind alternative Freizeitaktivitäten an, wie Gesellschaftsspiele, Basteln, Freunde einladen oder besuchen, Sport und Spazierengehen. Auch ein Haustier kann von der Faszination des TV ablenken. Das setzt natürlich voraus, dass das Kind ein Tier möchte und sich auch schon darum kümmern kann.
  • Legen Sie ein Zeitlimit fest, wie viele Minuten das Kind täglich allein und mit Ihnen zusammen fernsehen darf. Halten Sie sich auch selbst an diese Zeiten, also verlängern Sie die erlaubte Zeit nicht, weil es Ihnen gerade passt.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Sendungen, die es mag, ohne sich darüber lustig zu machen. Nur so finden Sie heraus, falls ungeeignete Sendungen dabei sind. Außerdem lernt Ihr Kind, sich auch kritisch mit dem TV-Angebot auseinander zu setzen. Schauen Sie mit kleineren Kindern unter 6 Jahren möglichst gemeinsam fern.
  • Loben Sie Ihr Kind ruhig einmal, wenn es etwas beim Fernsehen gelernt hat. Sie wollen es schließlich nicht zum Problemfall abstempeln und riskieren, dass Ihr Kind nicht mehr mit Ihnen übers Fernsehen spricht.

Besser fernsehen

„Wenn das Kind schon fernsieht, soll es wenigstens etwas dabei lernen.“ Diesen Wunsch hegen viele Eltern. Er lässt sich auch verwirklichen. Vorausgesetzt, schon die kleinen TV-Gucker werden an pädagogisch wertvolle Sendungen herangeführt. Denn wenn Kinder wählen können, entscheiden sie sich eher für bunte Unterhaltung als für Programme, in denen Wissen vermittelt wird. Schauen Sie deshalb die „Sendung mit der Maus“, die „Sesamstraße“ oder „Bob der Baumeister“ gemeinsam mit Ihrem Kind an. Reden Sie mit ihm über die Sendung und wecken Sie auch jenseits der Flimmerkiste durch Lern-Bücher oder Beobachtungen in der Natur seinen Wissensdurst.

Macht Fernsehen Kinder aggressiv?

Eltern fürchten häufig, dass Kinder im Fernsehen mit zu viel Gewalt konfrontiert werden und dadurch selbst aggressiv werden. Tatsächlich sehen Kinder gern Trickfilme wie Spongebob oder die Simpsons, in denen es auch Gewalt gibt. Diese gezeichnete Gewalt nehmen sie allerdings eher spielerisch auf. Sie wissen, dass nur einer Trickfilmfigur und keinem realen Menschen wehgetan wird. Ganz anders wirkt die Gewalt in Reality-Formaten oder den Nachrichten auf Kinder. Solche Darstellungen sind für sie schwer zu verarbeiten, besonders, wenn andere Kinder betroffen sind. Werden Kinder häufig mit realistischer Gewalt im Fernsehen konfrontiert, kann ihre Gewaltbereitschaft zunehmen. Vermeiden Sie daher solche Sendungen. Schauen Sie mit älteren Kindern die Nachrichten gemeinsam und wenn möglich die Logo-Kindernachrichten auf dem Kika oder in der ARD die Sendung „neuneinhalb“ an. Merken Sie, dass eine Sendung das Kind  beschäftigt, reden Sie mit ihm darüber. Lassen Sie Ihr Kind auch nicht kurz vor dem Schlafengehen fernsehen, weil das zu schlechten Träumen führen kann.

Ob Filme oder Sendungen kindgerecht sind, erkennen Sie an deren Altersfreigabe, die in vielen Programmzeitschriften angezeigt wird. Auf www.flimmo.de haben Sie ebenfalls eine Möglichkeit, das laufende Programm  auf seine Kindertauglichkeit zu überprüfen. Bestimmen Sie gemeinsam mit dem Kind, welche Sendungen es sehen darf und welche nicht geeignet sind.

„Kaufst du mir das?“

Viele Produkte, die Kinder in der Werbung sehen, wollen sie haben. Bei kleineren Kindern lässt sich die Werbung vermeiden, indem Sie DVDs kaufen oder Sendungen aufnehmen und beim Anschauen über die Werbung spulen. Bei größeren Kindern gilt: Jeden Kaufwunsch abzuwehren ist genauso falsch, wie jedem nachzugeben. Nicht zuletzt lernen Kinder auf diesem Weg einzuschätzen, ob sie wirklich alles brauchen, was sie in der Werbung sehen. Und das ist schließlich das Ziel Ihrer medialen Erziehung: Das Kind langfristig zu einem selbstständigen Umgang mit dem TV zu befähigen, sodass es selbst erkennt, was gut und was überflüssig ist.