Psychologie am Esstisch: Tipps & Tricks für Eltern

Psychologie am Esstisch: Tipps & Tricks für Eltern

Grüne Lebensmittel werden konsequent abgelehnt, Nudeln bitte ausschließlich ohne Soße – und das überhaupt nur dann, wenn die Essenszeit als solche akzeptiert wird. Eltern, Erzieher, Babysitter und große Geschwister kennen es: Kinder haben eine sehr selbstbewusste Meinung, wenn’s um die Mahlzeiten geht. Wir verraten einfache Tricks, die Ihnen helfen, einen kühlen Kopf am Esstisch zu bewahren.
 

Der Artikel im Überblick:

  • Welche Faktoren beeinflussen Kinder am Esstisch?
  • Tipps & Tricks: Das sollten Sie tun
  • Tipps & Tricks: Das sollte man vermeiden
  • Fazit

Welche Faktoren beeinflussen Kinder am Esstisch

Ob der Inhalt ihres Tellers „gesund“ oder „ungesund“ ist, dürfte den meisten Kindern herzlich egal sein, es sind andere Faktoren, die ihr Essverhalten beeinflussen. Dazu zählen unter anderem:
  • Lernprozesse & Erziehung: Ihr Kind lernt immer dazu – auch am Esstisch. Was heute noch uninteressant erscheint, kann morgen schon die neue Lieblingsspeise sein. In den ersten fünf Lebensjahren durchlaufen die Essgewohnheiten einen stetigen Wandel.
  • Innenreize: Hat Ihr Kind schlichtweg keinen Hunger, fühlt es sich unwohl oder mag es eine Speise nicht, wird es wahrscheinlich auch nichts essen. Ein weiterer Grund kann die sogenannte „Neophobie“ sein. Alle Infos dazu finden Sie in unserem Merkkasten.
  • Außenreize: Aussagen der Eltern wie „Ohne Essen darfst du nicht spielen“ können Kinder unter Druck setzen oder zu Trotzreaktionen führen.
  • Genetische Präferenzen: Vorlieben und Abneigungen können teilweise genetisch bedingt sein. Studien belegen, dass Kinder von Geburt an süßliche Geschmäcker bevorzugen und in den ersten Lebensmonaten auch eine Präferenz für Salziges entwickeln. Außerdem können Aversionen durch Unverträglichkeiten ausgelöst werden.
  • Kultur & Gewohnheit: Kulturelle Einflüsse und familiäre Gewohnheiten können die Vorliebe für bestimmte Speisen prägen. Nicht umsonst sagen viele von uns heute, dass es zu Hause bei Mama doch immer noch am besten schmeckt.

Neophobie – Was ist das eigentlich?

Mit dem Begriff Neophobie wird die angeborene Angst vor etwas Neuem bezeichnet. Bei Kindern gehört es zur Entwicklung, dass unbekannte Speisen abgelehnt werden. Im Normalfall gehen diese Verweigerungsphasen allerdings vorbei und die kindliche Neugier geht als Sieger aus der Sache hervor. Eltern sollten währen dieser Zeit gelassen bleiben und trotzdem weiterhin abwechslungsreiche Kost anbieten.
 

Evolutionsgeschichtlich ergibt sich aus der Neophobie übrigens ein Anpassungsvorteil, denn unbekannte Speisen können giftig und schädlich sein.

Tipps & Tricks: Das sollten Sie tun

Mit ein paar wenigen psychologischen Kniffen lässt sich das kindliche Ablehnen von Speisen schneller umgehen als Sie glauben. Hier verraten wir Ihnen, was Sie tun können, wenn …

 

… das Kind gewisse Nahrungsmittel ablehnt: Hier lautet das Zauberwort „Mischen“! Ein leckerer Mix mit einem favorisierten Dip oder einer Lieblingsspeise kann vieles ändern. Achten Sie aber auf die Verträglichkeit.

… das Baby/Kleinkind vor dem Essen unruhig ist: Lassen Sie es mit dem Essen sofort anfangen, sobald es auf dem Teller liegt. Sich in Geduld zu üben kann Ihr Nachwuchs an anderer Stelle lernen. Größere (Klein-)Kinder können Sie mit einem Ritual („Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb!“) auf das gemeinsame Essen eingrooven.
 

… das Kleinkind während des Essens unruhig ist: Lassen Sie es ruhig auch mal im Stehen am Tisch essen und trinken. Ist ihr Kind satt, darf es aufstehen.
 

… das Kind noch mehr essen will: Lassen Sie es sich auf Grundlage einer gesunden, vollwertigen Ernährung satt essen. Kinder hören in der Regel damit auf, wenn sie genug haben.
 

… das Kind Obst und/oder Gemüse ablehnt: Regen Sie die Fantasie der Kleinen an. Lassen Sie sie beim Einkaufen das Obst in der schönsten Farbe auswählen
oder stellen Sie ihm doch einmal Popeye & Co. vor. Dass viele Obst- und Gemüsesorten Muckis machen, groß zaubern oder von Elfen aus den Gärten stibitzt werden, weil sie so lecker sind, kann bei so manchem Picky Eater Wunder wirken.  

Tipps & Tricks: Das sollten Sie nicht tun

Diskussionen und Zwingen nützen nichts! Das ist schon lange kein Geheimnis mehr. Lesen Sie hier, was Sie am besten vermeiden sollten, um Tränen am Esstisch zu verhindern.
  • „Gute“ Argumente vorbeten: Mit „Das ist aber gesund“ kommen wir oft nicht weit. Sogenannte „positive Verstärker“ bringen mehr Erfolg! Basteln Sie mit Ihrem Kind eine Urkunde für den Fall, dass es eine Woche lang das Obst aus der Brotdose isst. Als Belohnung wartet dann z. B. ein Besuch im Kinderkino- oder theater.
  • Aufgeben: Beweisen Sie Ausdauer. Das „Immer-wieder-Anbieten“ hat sich als effektive Methode erwiesen, die Neugierde von Kindern zu entfachen. Wichtig ist hier, das verschmähte Lebensmittel ohne Druck zu servieren.
  • Mit Süßigkeiten belohnen: Das würde ungesundes Essen aufwerten. Die Kinder könnten glauben, der Genuss von Schoki, Chips und Co. sei wichtiger und erstrebenswerter als eine ausgewogene Mahlzeit.

Fazit

Geschmack und Vorlieben von Kindern verändern sich – und Eltern sollten dieses Spielchen entspannt mitspielen. Vermitteln Sie Ihren Kleinen das Gefühl, dass Essen Freude macht und Genuss bringt. Am Esstisch mit kleineren Kindern ist kein Raum für Machtkämpfe oder Benimmregeln – erst einmal steht das „Essenlernen“ im Fokus. Alles weitere sollte auf die Bedürfnisse und die jeweilige Entwicklungsphase des Kindes abgestimmt werden. Es lohnt sich, dem Nachwuchs ein Gefühl von Selbstständigkeit zu vermitteln. Das Kind wählt das Gemüse im Supermarkt selbst aus, es darf auch einmal etwas nicht mögen, es kennt die „Geheimnisse“ von Obst und Gemüse. Aufgedrängt wird hier nichts! In der Regel kommen so Spaß und Freunde am Essen von ganz allein.

 

Für alle Tipps und Tricks auf einen Blick gibt es unser „Psychologie am Esstisch“-Infoblatt zum kostenlosen Download.

Quellen

  1. https://www.kita-fachtexte.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen/KiTaFT_Hoch_Essensituationen_2015_01.pdf
  2. https://www.psychologie.uni-heidelberg.de/ae/allg/lehre/essen2003/nahrungspraeferenz.pdf
  3. Kröller, K. (2009): Mütterliche Steuerung in der Essenssituation. Potsdam: Dissertation Universität Potsdam.
  4. Haug-Schnabel, G.& Bensel, J. (2008): Es geht um viel mehr als nur ums Sattwerden. kindergarten heute, 9, 41-43.