Steffi-Nerius-Speerwurf

So ernähren sich Leistungssportler: Speerwerferin Steffi Nerius im Sporthilfe-Interview

Steffi, die Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin steht vor der Tür. Bei der WM 2009 hast Du dort Gold im Speerwurf geholt – was bedeutet ein großes Turnier im eigenen Land für die Athleten?

Das ist auf jeden Fall etwas ganz Besonderes. Das Publikum im Rücken kann einen Sportler pushen und beflügeln – aber es gibt auch Beispiele, bei denen der vermeintliche Heimvorteil Athleten lähmt oder sogar erdrückt, wenn sie darauf nicht richtig vorbereitet sind. Ein Heimspiel ist immer eine Chance, aber auch eine mentale Höchstleistung.

 

Das deutsche Team hat sich viel vorgenommen. Erwartet uns ein Medaillenregen?

Es ist eine Europa- und keine Weltmeisterschaft, insofern kann man sicher mit einigen Medaillen rechnen. Im deutschen Team gibt es eine gesunde Mischung aus erfahrenen Athleten, die ihre Höchstleistung abrufen werden und aus jungen Athleten, die womöglich über sich hinauswachsen. Wir werden in Berlin sicherlich viele tolle Leistungen sehen.

 

Thema Sportlerernährung: Worauf kommt es kurz vor dem Wettkampf ganz besonders an?

Es gibt Disziplinen wie Hochsprung oder Weitsprung, bei denen jetzt noch ein Kilo runter muss, aber grundsätzlich ändert sich kurz vor einer Meisterschaft nichts mehr an der eigentlichen Ernährung. Die Athleten müssen auf ihren Körper hören. Gerade bei den Temperaturen der letzten Wochen ist die Flüssigkeitsaufnahme besonders wichtig.

 

Was steht bei Spitzenathleten generell auf dem Ernährungsplan?

Es geht um eine gesunde Mischung aus Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen. Das kann zum Beispiel schon ein Salat mit Hühnchenbrust und einer Scheibe Brot sein. Aber es geht auch um das eigene Körpergefühl: Wenn sich ein Athlet gut fühlt und gute Leistungen bringt, dann gibt ihm der Erfolg immer recht. Das ist manchmal wichtiger als nur die perfekte Ernährung.

 

Woher weiß ich als Sportler, welche Lebensmittel gut für mich sind?

Während meiner aktiven Laufbahn bekamen wir einmal im Jahr Unterstützung von einem Ernährungstrainer, der uns über Inhaltsstoffe und Zutaten aufgeklärt und Werte wie Gewicht, Fettgehalt oder pH-Wert festgestellt hat. Darauf basierend hat jeder seinen individuellen Ernährungsplan mit der benötigten Menge an Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten bekommen. Diese Liste habe ich intensiv studiert und im Supermarkt sehr bewusst danach eingekauft. Für die Proteinzufuhr beispielsweise eine Forelle, Harzer Käse oder körnigen Frischkäse.

 

Wie viele Mahlzeiten standen bei dir auf dem Tagesplan?

In der Trainingsphase sind es drei Haupt- und zwei Zwischenmahlzeiten. Nach dem Frühstück geht es zum ersten Training, es folgen Mittagessen und Regeneration, danach gegen 15 Uhr eine Zwischenmahlzeit und wieder Training. Anschließend das Abendessen und etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen noch eine kleine Mahlzeit. Das hieß für mich: eine halbe Scheibe Brot mit Honig, zwei oder drei Mandeln und eine Ampulle Aminosäure – also wieder die Mischung aus Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen.

 

Stichwort Cheat Day: Darf es auch mal eine Ausnahme sein?

Bei aller Disziplin ist wichtig, dass man sich wohlfühlt. Ich wollte mich nie selbstkasteien und brauche ab und zu einfach einen Schokoriegel – auch wenn das den Ernährungsberater nicht wirklich begeistert hat (lacht). Tatsächlich habe ich es während der Saison meistens durchgehalten und erst nach dem Saisonende im Herbst mal alle Fünfe gerade sein lassen. Und wenn es zwischendurch doch einmal eine kleine Sünde gab, dann nur vormittags.

 

Du hast an vier Olympischen Spielen und fünf Weltmeisterschaften teilgenommen und Deine Karriere erst mit 37 Jahren beendet. Wie hast Du Dich in der harten Vorbereitungszeit mental fit gehalten?

Als Werferin hatte ich zugegeben einen kleinen Vorteil gegenüber anderen Disziplinen – ein oder zwei Kilo mehr haben keinen großen Unterschied gemacht. Während meiner aktiven Karriere habe ich bei einer Körpergröße von 1,78 Metern 72 Kilo gewogen, plus-minus ein, zwei Kilo. Um diese Marke herum habe ich mich immer bewegt – übrigens auch heute noch. Sicherlich ist das ein Stück weit Veranlagung, aber über die Jahre habe ich mir persönlich eine Art Körperbewusstsein antrainiert und denke bewusst über das Thema Ernährung nach.

 

1994 musstest Du wegen Rückenproblemen längere Zeit pausieren. Wie ging es Dir in dieser Zeit?

Ich habe sogar abgenommen. Natürlich war das eine bescheidene Zeit, aber ich habe mich damals in mein Studium gestürzt und das hat mir etwas mehr Halt gegeben. Manche Athleten nehmen in solchen Zeiten eher zu, mir ist dagegen der Appetit vergangen.

 

Springen wir in die Gegenwart: Wie unterscheidet sich Deine Ernährung heute, neun Jahre nach Karriereende?

Ganz so konsequent wie zu meiner aktiven Zeit bin ich nicht mehr, lasse es aber auch nicht komplett schleifen. In Sachen Ernährung habe ich schon viel für das Leben mitgenommen.

 

Heute leitest Du das Sportinternat in Leverkusen. Dort kannst du deinen Schülern sicher etwas von deinem Expertenwissen mitgeben ...

Auf jeden Fall. Die Essensdiskussion ist hier immer ein großes Thema. Wie wichtig die richtige Ernährung für einen Athleten ist, verstehen die meisten im Alter von 16 oder 17 Jahren noch nicht, sondern erst mit 22 oder 23. Daran arbeiten wir tagtäglich.

 

Darüber hinaus arbeitest Du als Leichtathletik-Trainerin beim TSV Bayer 04 Leverkusen. Bleibt daneben noch Zeit zu trainieren?

So richtig viel Zeit bleibt dafür nicht. Ich gehe zweimal in der Woche zum Stabilitätstraining, ab und an zum Schwimmen oder Golfen und fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit. Cardio-Training, wie zum Beispiel Joggen, liegt mir nicht besonders, das war für mich als Speerwerferin auch während der aktiven Karriere nicht so wichtig wie für andere Athleten.

 

Welche Tipps würdest du ambitionierten Hobbysportlern in puncto Ernährung geben?

Tatsächlich ist es wichtig, eine gesunde Mischung aus Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen zu sich zu nehmen. Und wenn man beim Einkauf ein bisschen bewusster auf die Qualität und Inhaltsstoffe von Lebensmitteln achtet, dann ist schon viel geholfen.

 

Manche denken, ins Fitnessstudio zu gehen, reicht. Wie wichtig ist gesunde Ernährung im Verhältnis zur Bewegung?

Entscheidend ist natürlich das grundsätzliche Ziel, mit dem ich Sport betreibe: Will ich abnehmen, fit werden oder vor allem Muskeln aufbauen? Die Ernährung ist dabei meiner Meinung nach doppelt so wichtig wie der Sport. Nur Sport zu machen und dabei nicht auf die Ernährung zu achten, bringt überhaupt nichts. Es geht immer um die richtige Mischung.

 

Deutsche Sporthilfe und Nestlé

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Nach dem langjährigen Engagement von Nestlé als Produktpartner im Rahmen der Sporthilfe-Veranstaltungen Ball des Sports, Goldene Sportpyramide und Juniorsportler des Jahres haben Nestlé und die Deutsche Sporthilfe ihre Partnerschaft verlängert. Nestlé hat in der neuen Vereinbarung den Kern des Engagements vom reinen Eventpartner zum offiziellen Partner der Sporthilfe verlagert und damit die Unterstützung olympischer und paralympischer Athleten ausgebaut. Deutsche Sporthilfe und Nestlé werden zukünftig im Rahmen der Partnerschaft gemeinsam auf die Besonderheiten und Herausforderungen des Spitzensportlerlebens im Hinblick auf Konsequenz und Disziplin im Bereich Ernährung und im Alltag aufmerksam machen.

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