Gesunde Ernährung für Kinder – Das Experteninterview

Frau Dr. Elke Arms, Ernährungswissenschaftlerin von Nestlé, und Frau Dagmar von Cramm, Ernährungs- und Kochexpertin, gaben uns in einem Experteninterview hilfreiche Tipps zum Thema „Gesunde Ernährung für Kinder“.

Dagmar von Cramm

Dagmar von Cramm ist Ernährungswissenschaftlerin und Top-Buchautorin für alle Themen rund um Kinder, Jugendliche und Ernährung. Sie ist Mitglied des Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Als Mutter von drei Kindern bringt sie nicht nur ihre große akademische, sondern auch ihre ganz persönliche, familiäre Erfahrung in ihre Bücher mit ein. Darüber hinaus ist sie als Moderatorin und Referentin in Funk und Fernsehen bekannt.

 


Dr. Elke Arms

Dr. oec. troph. Elke Arms ist verantwortlich für die Ernährungsberatung im Nestlé Ernährungsstudio. Alle Ernährungsberater sind ausgebildete Ökotrophologen (Ernährungswissenschaftler) mit fundierten Kenntnissen und viel Erfahrung. Auch Frau Dr. Arms bringt als Mutter von zwei Kindern ihre vielen persönlichen Erlebnisse in die Beratungspraxis mit ein.

Das Interview

Kinder sollten schon von klein auf an eine gesunde Ernährung herangeführt werden. Was können Sie den Eltern raten?

Dagmar von Cramm: Kinderernährung ist eine Erziehungsfrage. Denn wir haben ein unendlich großes Angebot an Lebensmitteln und daraus muss eine vernünftige Wahl getroffen werden. Das Problem bei Kindern ist, dass sie sehr konservativ sind, das heißt, was sie nicht kennen, essen sie nicht. Wenn Kinder nicht ständig durch die Eltern dazu angehalten werden, mal was Neues zu probieren oder nicht erleben, dass mal was Neues auf den Tisch kommt, dann besteht die Gefahr der einseitigen Ernährung.


Frau Dr. Arms, Sie bekommen ja im Nestlé Ernährungsstudio viele Anrufe von Eltern. Was sind denn die Hauptfragen, mit denen sich Eltern an Sie wenden?

Dr. Elke Arms: Die deutliche Mehrzahl fragt nach einer Lösung bei einseitiger Ernährung. Sie haben kleine Kinder, die sich eher einseitig ernähren, zum Beispiel Gemüse ablehnen. Hier sind vor allem praktische Tipps gefragt, die wir dann natürlich gerne geben.


Wenn man Kinder fragt, was sie gerne essen, dann kommen meist die Klassiker, also Spaghetti, Pizza und Pommes. Wie bringe ich Kinder auf den richtigen Geschmack, ohne dass sie den Spaß und die Lust am Essen verlieren?

Dagmar von Cramm: Es ist manchmal auch ein Irrtum zu glauben, dass die Vorstellung der Erwachsenen über die Lieblingsspeisen der Kinder den Kern der Sache trifft. Es gibt Untersuchungen, die gezeigt haben, dass Kinder oft ganz andere Vorlieben haben als ihre Eltern annehmen. Viele Kinder haben auf die Frage, was sie gern zum Frühstück hätten, überraschend mit Vollkornbrot geantwortet! Deswegen ist es ganz wichtig, dass Eltern sich auf ihre Kinder einlassen und auch mal das Lieblingsgericht zum Thema machen.


Wie wichtig ist denn aus Ihrer Erfahrung das gemeinsame Essen in der Familie und wie kriegt man das in einem hektischen Alltag unter?

Dagmar von Cramm: Zuerst möchte ich alle Eltern zu mehr Selbstvertrauen ermutigen. Denn alle Studien haben gezeigt, dass selbst 13-, 14-, 15-jährige Kinder am liebsten ‚mit der Familie’ essen. Für die meisten Familien ist abends der beste Zeitpunkt für eine gemeinsame Hauptfamilienmahlzeit. Ebenfalls relativ einfach ist es, das gemeinsame Frühstück zu pflegen. Da ist man zwar noch müde, aber wenn man 10 Minuten früher aufsteht und am Abend vorher alles schon richtig vorbereitet, kann das ein sehr guter Start sein.


Auf der Internetseite des Nestlé Ernährungsstudios gibt’s ja auch diverse Tipps und Hinweise. Frau Dr. Arms, kann man überhaupt mit solchen Informationen das Ernährungsverhalten in der Familien ändern?

Dr. Elke Arms: Der erste Schritt zur Verhaltensänderung besteht darin, dass den Eltern klar gezeigt wird, wenn irgendwas nicht stimmt. Es entsteht bei Eltern dadurch ein gewisses Problembewusstsein und die nötige Motivation etwas zu verändern. Durch praktische und leicht umsetzbare Tipps versuchen wir darauf aufbauend, diese erste Motivation zur Veränderung zu stärken und den Übergang vom Wissen zum tatsächlichen Tun bzw. zur Umsetzung im hektischen Alltag zu erleichtern.


Frau von Cramm, gehen wir es mal ganz praktisch an: Mein Kind isst kein Gemüse, was soll ich als Mutter machen?

Dagmar von Cramm: Erstens essen Kinder Gemüse oft lieber roh als gekocht: Daher kann ich empfehlen, einfach beim Kochen ein bisschen abzuzweigen, egal ob das jetzt Möhrchen, Kohlrabi oder Zucchini sind: einfach kleine Scheiben schon mal auf einen Teller legen und Frischhaltefolie drüber. Wenn das Kind aus dem Kindergarten oder der Schule kommt und hungrig ist, hat es so eine kleine Vorspeise.

Zweitens sollten Eltern immer verlangen, dass probiert wird, was auf den Tisch kommt.

Drittens kann oft die Zubereitung helfen. Ein Gemüse-Nudel-Wok-Gericht beispielsweise kann auch mal mit Stäbchen gegessen werden. Das findet bestimmt auch unter den Kleinen guten Anklang.

Viertens und ganz zentral ist die Vorbildrolle der Eltern: Wenn natürlich der Vater sagt „Igitt, Grünzeug, ich bin kein Kaninchen“, dann wird das Kind auch bei nächster Gelegenheit finden, dass es kein Kaninchen ist.


Manchmal wird das Schulfach „Ernährung“ gefordert, weil angeblich nicht mehr alles über die Familie geleistet werden kann. Was sagen Sie, muss die Schule, muss der Kindergarten hier mehr Verantwortung übernehmen oder ist es nicht die ureigene Aufgabe der Eltern, für die richtige Erziehung und Ernährung zu sorgen?

Dagmar von Cramm: Die Wurzeln liegen im Elternhaus. Aber wir sehen, dass Kinder Unterstützung von der Schule brauchen, wenn dem Elternhaus die nötige Kompetenz fehlt. Ernährung stand aber innerhalb der Schule immer schlecht da und hat aus verschiedenen Gründen immer weiter an Bedeutung verloren. Ich habe jedoch die Hoffnung, dass durch Ganztagsschulen vielleicht wieder ein bisschen Luft für Aktivitäten geschaffen wird, die außerhalb des Lehrplans liegen. Und ich beobachte erfreut, dass im Kindergarten zunehmend auf diesem Gebiet gearbeitet wird. Das passt sehr gut zu diesem Alter, in dem die Kinder sich für das Thema Essen besonders interessieren und begeistern.


Frau Dr. Arms, zum Abschluss eine Frage, wo wir alles einmal auf den Kopf stellen. Was raten Sie einem Kind, das fragt, „Wie kriege ich meine Eltern dazu, dass sie sich richtig und gesund ernähren“?

Dr. Elke Arms: Ich würde dem Kind raten, dass es mit seinen Eltern diskutiert, sodass ein Gespräch zustande kommt, das alle zusammen weiterbringt und in dem jeder seine Meinung sagen darf. Das Kind kann dann auch konkret darum bitten, bestimmte Dinge zu kochen und mehr auf gesunde Ernährung zu achten. Es wird dabei aber jede Meinung beachtet und als wichtig gewertet. Eine solche demokratische Umgangsweise mit dem Thema „Gesunde Ernährung“ funktioniert meist sehr gut.

Kontaktmöglichkeit

Das Team des Nestlé Ernährungsstudios hilft Ihnen gerne!
Kontaktmöglichkeit
Studien zum Ernährungsverhalten

So is(s)t Deutschland

Nestlé geht Ernährungsfragen auf den Grund
Mehr erfahren
Links zum Thema Ernährung

Nützliche Links

Hier finden Sie nützliche Links rund um die Ernährungswissenschaft für Ihre persönliche Recherche.
weitere Informationen