Familie im Supermarkt

Zuckergehalt in Lebensmitteln: Eltern schätzen häufig falsch

Der Mensch liebt süße Lebensmittel, das ist ihm quasi in die Wiege gelegt: Babys lernen den süßen Geschmack bereits über die Muttermilch kennen und haben im Kindesalter meist eine bleibende Vorliebe für Süßes. Ein hoher Zuckerverzehr steht allerdings in Verbindung mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht. Deshalb sollten Eltern bedachte Ernährungsentscheidungen für ihre Kinder treffen und dafür ausreichend gebildet sein. Forscher des Max-Rubner-Institutes haben jetzt in einer Studie bestätigt, dass es hier Aufholbedarf gibt.

Die Studie: So wurde der Zuckergehalt von Lebensmitteln geschätzt

Die Autoren Dallacker, Hertwig und Mata befragten in der im International Journal of Obesity erschienen Studie insgesamt 305 in Deutschland lebende Eltern-Kind-Pärchen und erhoben auch den BMI der Kinder. Sie liesen den Zuckergehalt gängiger Lebensmittel einer normalen Kinderernährung anhand von Zuckerwürfeln schätzen. Dabei wurde offensichtlich, dass Eltern den Zuckergehalt insgesamt unterschätzten. Die Ergebnisse im Überblick:

  • 74 Prozent der Eltern unterschätzten den Zuckergehalt der meisten Lebensmittel.
  • 92 Prozent der Eltern gingen davon aus, dass Orangensaft weniger Zucker enthält als geschätzt. 
  • Den Zuckergehalt eines Joghurts schätzten die Eltern durchschnittlich um 7 Stück Würfelzucker zu gering ein.
  • Der Zuckergehalt von Müsliriegeln und Ketchup wurde meist überschätzt.

„Natürlich“ = zuckerarm?


Die Studie zeigt, dass Lebensmittel mit gesundem oder natürlichem Image (Orangensaft und Joghurt) als zuckerärmer eingeschätzt werden. Hier spricht man vom sogenannten „Health Halo“, einem Effekt, bei dem einem Produkt aufgrund bekannter Eigenschaften zusätzlich gesundheitsförderliche Wirkungen zugeschrieben werden, obwohl diese nicht vorhanden oder belegt sind. Dies trifft zum Beispiel besonders auf Bio-Lebensmittel zu. 

Darüber hinaus zeigte sich ein wesentlicher Zusammenhang: Eltern, die den Zuckergehalt unterschätzten, hatten häufiger übergewichte Kinder. Fehlende Kenntnisse der Eltern scheinen also das Gewicht der Kinder zu beeinflussen.

 

Das Fazit: Ernährungsbildung relevant wie nie

Insgesamt kommen die Autoren zum Schluss, dass es Defizite bei den elterlichen  Ernährungskompetenz gibt. Es müssten auch politische Entscheidungsträger darauf aufmerksam gemacht werden und das Problem erkennen. Klare Informationen für Verbraucher, z. B. auf Verpackungen, seien ein wesentlicher Schritt, das Problem nachhaltig anzugehen. 

In der Praxis ist es vor allem die Beschäftigung mit Lebensmitteln und Kulinarik, die weiter hilft: Wer zum Beispiel Fruchtjoghurt selber macht, weiß, wie viel Zucker tatsächlich enthalten ist.

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