Frau mit Magenschleimhautentzündung

Magenschleimhautentzündung: Wenn’s plötzlich brennt im Bauch

Völlegefühl, Übelkeit, Schmerzen im Oberbauch – Menschen im Erwachsenenalter klagen häufig über Magenprobleme. Oft handelt es sich dabei um Magenschleimhautentzündungen (Gastritis). Aber was ist das eigentlich? Was genau dahinter steckt und wie Sie mithilfe Ihrer Ernährung dagegen vorgehen können, lesen Sie hier.

Der Artikel im Überblick:

Was ist eine Magenschleimhautentzündung

Eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis, aus dem Griechischen: „Gaster“ für Magen und „-itis“ für Entzündung) ist eine entzündliche Reaktion der Magenschleimhaut auf die unterschiedlichsten Ursachen. Durch spezielle Zellen in unserer Magenschleimhaut wird Magensäure produziert, welche dabei hilft, die von uns verzehrten Speisen zu zerkleinern und zu verdauen. Darüber hinaus werden so mögliche pathogene Keime und Bakterien in der Nahrung weitestgehend abgetötet. Damit der saure Magensaft die Magenschleimhaut nicht angreift, ist sie von einer dünnen Schleimschicht überzogen, dem sogenannten Mucus. Wird dieser Schutz aus irgendeinem Grund angegriffen oder zu viel Magensäure produziert, kann sich die Magenschleimhaut entzünden.

 

Mediziner unterscheiden zwischen

  • akuter Magenschleimhautentzündung:
    Diese tritt plötzlich auf, verursacht merkliche Beschwerden und heilt meist zeitnah wieder ab.
  • chronischer Magenschleimhautentzündung:
    Diese Variante verläuft oft schleichend und dauerhaft, und verursacht schwächere bis gar keine merklichen Beschwerden.  

Chronische Magenschleimhautentzündung

Die chronischen Formen der Magenschleimhautentzündung werden anhand ihrer Auslöser unterschieden :

  • Autoimmun-Gastritis Typ A:
    Bei der Typ-A-Gastritis handelt es sich um die seltenste Form der chronischen Magenschleimhautentzündung. Gerade einmal fünf Prozent aller Gastritis-Patienten leiden darunter. Sie wird als Autoimmunerkrankung eingestuft und tritt oft neben anderen Autoimmunkrankheiten wie Typ-1-Diabetes auf. Der Organismus produziert Antikörper gegen die eigene Magenschleimhaut, die den Magen infolgedessen nicht mehr schützen kann. Warum das so ist, ist bislang nicht bekannt. Ist diese Fehlsteuerung des Immunsystems fortgeschritten, kann unser Körper nicht mehr genügend Vitamin B 12 aufnehmen und entwickelt daraufhin eine Blutarmut (perniziöse Anämie). Um dies zu vermeiden, wird den Patienten regelmäßig Vitamin B 12 gespritzt.
  • Bakterielle Gastritis Typ B:
    Hierbei handelt es sich um die häufigste Form der chronischen Magenschleimhautentzündung (85 Prozent). Ihr geht eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori voraus, die zugleich das Risiko für Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre und auch Magenkrebs erhöht. Da eine chronische Typ-B-Gastritis häufig symptomarm oder gar symptomfrei verläuft, wird sie von Betroffenen oft zunächst nicht bemerkt.
  • Chemisch induzierte Gastritis vom Typ C:
    Auslöser für diese seltenere Form der Magenschleimhautentzündung sind häufig Medikamente wie Aspirin (ASS), Diclofenac oder andere nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR). Ebenso gelten Gallereflux (Rückfluss von Gallenflüssigkeit aus dem Zwölffingerdarm in den Magen), übermäßiges Rauchen oder starker Alkoholkonsum als mögliche Ursachen.

Wie kommt es zum Magengeschwür?

Einem Magengeschwür, in der Fachsprache Ulzera beziehungsweise Ulkus genannt, geht häufig eine Magenschleimhautentzündung mit entsprechender Gewebsschädigung voraus – eine Gastritis muss aber nicht immer zu einem Magengeschwür führen.

Bei einem Ulkus ist die Schleimhaut des Magens bis in ihr Untergewebe beschädigt, die anfängliche Entzündung hat sich im wahrsten Sinne des Wortes durchgefressen. Wenn die Schleimhautläsion einen Durchmesser von 5 mm hat, spricht man von einem Magengeschwür. Eine verbindliche Definition gibt es allerdings nicht.

Patienten eines akuten Geschwürs verspüren Magenschmerzen für gewöhnlich nach dem Essen und zwar im mittleren bis linken Oberbauch. Unbehandelte Ulzera können zu Blutungen und in seltenen Fällen zu einem Durchbruch des Geschwürs durch die Magenwand in die Bauchhöhle führen. Bei dieser Komplikation wird häufig operiert. In anderen Fällen ist ein Magengeschwür gut mit Medikamenten therapierbar.

Symptome und Diagnose einer Magenschleimhautentzündung

Wer an einer akuten Gastritis erkrankt, bemerkt ein plötzliches Auftreten der unten genannten Beschwerden. Oft erscheinen sie nach der direkten Nahrungsaufnahme noch schlimmer.

  • Völlegefühl
  • Appetitlosigkeit oder Ekel vor Nahrung
  • Diffuser Druck bis starke Schmerzen im Oberbauch
  • Übelkeit
  • Brechreiz und Erbrechen
  • Sodbrennen
  • Aufstoßen
  • Unangenehmer Geschmack im Mund
  • Darmbeschwerden
  • Blutungen
  • Perniziöse Anämie/Blutarmut infolge eines Vitamin-B-12-Mangels (bei chronischem Verlauf)

Eine chronische Magenschleimhautzündung weist über einen längeren Zeitraum oft keine oder nur geringfügig deutliche Krankheitsanzeichen auf, dennoch treten mit der Zeit entzündliche Veränderungen der Schleimhautoberfläche auf, die gefährlich werden können. Die oben genannten Symptome können übrigens auch bei anderen (Magen-)Erkrankungen auftreten, und sind eher unspezifisch. Sprechen Sie daher bitte stets mit Ihrem Arzt darüber. Eine Magenspiegelung (Endoskopie) gibt in der Regel hinreichend Aufschluss über die zugrunde liegende Erkrankung.

Ursachen einer Magenschleimhautentzündung

Die EINE vorherrschende Ursache für Gastritis gibt es nicht. So können Bakterien genauso dafür verantwortlich sein wie Medikamente, die Sie eigentlich einnehmen, um sich besser zu fühlen. Auch die Ernährung und das persönliche Stresslevel können eine Magenschleimhautentzündung auslösen. Meist ist eine Kombination verschiedener Faktoren dafür verantwortlich, was die Ursachenfindung erschwert. Die Forschung untersucht das Zusammenspiel der Einflussfaktoren seit Langem und muss diese immer wieder neu bewerten. So nimmt hierzulande zum Beispiel die Verbreitung des Magenkeims Helicobacter pylori wieder ab, während immer mehr magenschädigende Arzneien bekannt werden.


Folgende Ursachen für Gastritis werden in aktuellen Studien benannt:

  • Infektionen mit Bakterien (z. B. Helicobacter pylori)
  • Psychischer Stress/psychosoziale Belastungen, Ängste, Depressionen
  • Hoher Konsum von Nikotin, Alkohol, Kaffee und scharfen Speisen
  • Potenziell magenschädigende Medikamente, zum Beispiel Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen oder Rheumamedikamente, Wirkstoffe bei Chemotherapien, Kortison
  • Körperlicher Stress
  • Verätzungen
  • Autoimmune Ursachen

Magenschleimhautentzündung behandeln: So sieht die Therapie aus

Wurde bei Ihnen eine Gastritis diagnostiziert, müssen Sie nicht verzweifeln. Oftmals können Sie den Beschwerden zunächst durch eine leichte Verhaltens- und Ernährungsumstellung entgegenwirken. Tritt keine Besserung auf, helfen Medikamente, die Ihnen Ihr Arzt verordnen kann. Das Ziel einer medikamentösen Behandlung ist es oft, überschüssige Magensäure zu neutralisieren, sodass die Symptome abklingen. Rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind Antazida (z. B. Magaldrat, Hydrotalcit, Aluminium- und Magnesiumhydroxid, Calcium- sowie Magnesiumcarbonat), die bei schwächeren Beschwerden eingesetzt werden.

Soll die Magensäureproduktion gezielt verringert werden, damit sich die Magenschleimhaut regenerieren kann, verschreiben Ärzte in der Regel H2-Rezeptorantagonisten (z. B. Cimetidin, Famotidin und Ranitidin) oder Protonenpumpenhemmer (z. B. Omeprazol, Pantoprazol, Esomeprazol, Lansoprazol, Rabeprazol) bei starken Symptomen.


Wichtig: Auch vor der Einnahme rezeptfreier Medikamente sollten Sie sich die Diagnose in jedem Falle vom Arzt bestätigen lassen.  

Was tun bei Magenschleimhautentzündung? Das können Sie selber tun

Um einer Magenschleimhautentzündung zunächst ohne Medikamente zu Leibe zu rücken, sollten Sie einen Blick auf Ihr Ernährungs- und Gesundheitsverhalten werden:

 

Dos

  • Schonkost (Leichte Vollkost)
  • Kleine Mahlzeiten
  • Entspannungsübungen
  • Lokale Wärme
  • Ruhe

Dont's

  • Blähende, fettige und scharfe Speisen
  • Kaffee, Alkohol, Nikotin
  • Zitrussäfte
  • Große Mahlzeiten
  • Schwere körperliche Anstrengung und Stress

Führen diese Maßnahmen nicht zur Besserung des Befindens, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Lesen Sie hier, wie die Ernährung bei Magenschleimhautentzündungen aussehen sollte.

Ernährung bei Magenschleimhautentzündung

Hören Sie im wahrsten Sinne des Wortes auf Ihr Bauchgefühl! Als Gastritis-Patient haben Sie auf Speisen und Getränke, die Ihr Leiden negativ beeinflussen, oft ohnehin keinen großen Appetit. Wenn Sie einige Tage weniger Appetit haben, geht das in Ordnung. Achten Sie allerdings auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Wenn Sie essen, kauen Sie Ihre Mahlzeiten langsam und gut durch, darüber freut sich Ihr Magen.

Wichtig: Nehmen Sie keine Nahrungsmittel zu sich, die die Verdauung zusätzlich belasten. Zu den empfohlenen Lebensmitteln zählen daher Speisen, die

  • Fett- und proteinarm
  • Kohlenhydratreiche
  • Gering gewürzt
  • Schonend gegart
  • Möglichst vegetarisch sind (mit Ausnahme von fettarmen Geflügel).

Bei einer Magenschleimhautentzündung hat sich die leichte Vollkost bewährt. Diese besondere Kostform wird bei vielen weiteren Beschwerden des Magen-Darm-Traktes empfohlen. Die leichte Vollkost unterscheidet sich von der Vollkost durch Verzicht auf Lebensmittel und Speisen, die erfahrungsgemäß besonders häufig Unverträglichkeiten auslösen. Dennoch ist die Verträglichkeit bestimmter Speisen meist sehr individuell, Angaben hierzu sollten deshalb nicht als Regeln verstanden werden.

Eine Lister der Nahrungsmittel, die häufig zu Unverträglichkeiten führen, finden Sie hier:


Herunterladen

Magenschleimhautentzündung: Was darf ich essen?


Testen Sie selbst aus, was Ihnen guttut und bekommt.
Beim Herausfinden Ihrer Verträglichkeiten kann ein Beschwerdeprotokoll helfen. Hiermit können Sie eventuell auftretende Beschwerden in Verbindung mit bestimmten Lebensmitteln aufdecken. Unsere Ernährungstagebuch-Vorlage kann Ihnen helfen.

Gut vertragen bei Magenschleimhautentzündung werden in der Regel

  • Porridge, fettarmer Haferbrei
  • Grießbrei
  • Kartoffelbrei
  • Fleisch und Fisch (fettarm)
  • Reis
  • Zwieback


Bekömmliches Gemüse (gegart)

  • Artischocken
  • Fenchel
  • Karotten
  • Mangold
  • Rote Bete
  • Spargel
  • Knollen- und Staudensellerie
  • Spinat
  • Zucchini

Bekömmliches Obst (als Kompott)

  • Äpfel
  • Birnen
  • Erdbeeren
  • Himbeeren
  • Brombeeren
  • Aprikosen
  • Pfirsiche
  • Kleine Mengen Banane dürfen auch roh verzehrt werden

Getränke bei Magenschleimhautentzündung:

  • Stilles Wasser, am besten bei Zimmertemperatur
  • Lauwarme ungesüßte Tees: z.B. Kamille, Melisse, Hopfen, Pfefferminz

Vermeiden sollten Sie alle sauren und Kohlensäure-haltigen Getränke wie Obstsäfte, Limonaden, Cola sowie Wein. Selbstverständlich sollte auch Alkohol gemieden werden.

In Zellstudien konnte Kartoffelsaft die Zahl der Helicobacter pylori Bakterien erfolgreich hemmen. Ob er als Therapeutikum eingesetzt wirksam ist, ist jedoch fraglich.

Prävention: Wie kann ich einer Magenschleimhautentzündung vorbeugen?

Einer chronischen Gastritis können wir in der Regel nicht vorbeugen. Infektionen mit dem Bakterium Helicobacter pylori, das von Mensch zu Mensch übertragen wird, treten beispielsweise meist schon im Kindesalter auf. Aktuell wird davon ausgegangen, dass jeder Zweite Helicobacter pylori in seinem Magen-Darm-Trakt trägt – allerdings gehen die Zahlen in den westlichen Industrienationen zurück.

Einer akuten Gastritis kann mit folgenden Methoden vorgebeugt werden:


  1. Wenn es nicht sein muss, nehmen Sie Schmerzmittel nicht zu häufig oder hochdosiert ein.
  2. Wenn Sie regelmäßig Medikamente nehmen, sollen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Alternativen sprechen und/oder nach ärztlicher Absprache vorsorglich Säureblocker einnehmen.
  3. Essen Sie möglichst ausgewogen, langsam und in Ruhe.
  4. Bewegung sorgt für ordentlich Schwung – auch im Magen-Darm-Bereich. Sport mindert zusätzliche Nebeneffekte der Magenschleimhautentzündung wie z.B. angestaute Gase.
  5. Lassen Sie sich Stress nicht auf den Magen schlagen: Autogenes Training und Yoga können Körper und Geist durchaus beruhigen.
  6. Vermeiden Sie stark reizende Genussmittel wie Nikotin und Alkohol und genießen Sie säurehaltige Speisen und Getränke nur in Maßen.

Fazit


Magenschleimhautentzündungen sind auch ohne Medikamente behandelbar. Mit einer gesunden Lebensführung können Sie viel zur Vorbeugung beitragen. Bevor Sie zu Medikamenten greifen, sollten Sie sich immer ärztlich beraten lassen, um Nebenwirkungen und andere unerwünschte Folgen zu vermeiden.