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Hunger und Appetit: der feine Unterschied

Wir haben es fast verlernt, beim Essen auf unseren Körper zu hören. Oft beeinflussen äußere Reize, wie der köstliche Duft ofenfrischer Brötchen oder das appetitliche Aussehen von Speisen, unsere Nahrungsaufnahme. Die kulinarischen Verlockungen unserer Zeit machen es uns nicht leicht, Hunger von Appetit zu unterscheiden. Zudem wird unser Essverhalten von Gefühlen und Gewohnheiten beeinflusst.
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Was versteht man unter Appetit?
"Hm, das sieht aber lecker aus, und wie das duftet!" Wenn Sie jetzt zugreifen, dann wahrscheinlich, weil Sie Appetit haben, aber nicht unbedingt, weil Sie hungrig sind. Denn Appetit lässt sich von äußeren Einflüssen leiten. Im Gegensatz zum Hunger ist er meist zielgerichtet, d.h., Sie verlangen nach einem ganz bestimmten Lebensmittel, ohne dass Sie tatsächlich Essen benötigen, um die Funktionen Ihres Körpers in Gang halten zu können. Wer sich allzu oft vom Appetit leiten lässt, riskiert auf Dauer überflüssige Pfunde. Horchen Sie deshalb in sich hinein: Ist es bloß die Lust, die Sie zum Essen verleitet? Wenn es Ihnen gelingt, sich abzulenken, z.B. indem Sie sich verabreden, lesen oder Musik hören, hatten Sie möglicherweise bloß Appetit. Manchmal hilft auch ein Glas Wasser oder ein Stück Obst dabei, den Appetit zu besänftigen.

Was ist eigentlich Hunger?

Sie kommen gerade vom Sport und möchten sich am liebsten sofort auf den Kühlschrank stürzen? In diesem Fall handelt es sich vermutlich um "richtigen" Hunger. Denn Hunger entsteht nach länger andauernden Belastungen oder wenn nach langen Essenspausen die Energiespeicher Ihres Körpers "aufgebraucht" sind. Dann verlangt Ihr Körper nach Nahrung. Sie spüren es richtig – der Magen kann sich schmerzhaft zusammenziehen und knurren, weil er leer ist. Wahrscheinlich ist auch Ihr Blutzuckerspiegel stark abgefallen. Das hat Ihr Gehirn registriert und schlägt Alarm. Denn Ihr Körper braucht dringend einen Energienachschub, um seine Funktionen aufrecht zu erhalten. Ein niedriger Blutzuckerspiegel kann sich z.B. durch nachlassende Leistungsfähigkeit, Kopfschmerzen, Gereiztheit und Schweißausbrüche bemerkbar machen.

Stoppsignale beim Essen

Im Allgemeinen essen wir drei- bis fünfmal täglich und zwar bevor wir ein intensives Hungergefühl spüren. Diese gleichmäßig über den Tag verteilte Nahrungsaufnahme verhindert Heißhungerattacken und eine unkontrollierte Kalorienaufnahme. Andererseits geben wir unserem Körper so keine Gelegenheit, Hunger und Sättigung richtig zu spüren. Vor allem dann, wenn wir sehr schnell essen, nehmen wir Sättigungssignale nicht mehr richtig wahr. Und das ist in unserer hektischen Zeit fast schon an der Tagesordnung. Tipp: Genießen Sie Ihre Mahlzeiten langsam und kauen Sie intensiv. Dann essen Sie nicht über den Hunger hinaus. In der Regel tritt das Sättigungsgefühl erst 15 bis 20 Minuten nach dem ersten Bissen ein.

Regulation von Hunger und Sättigung
Unser Körper verfügt über eine Fülle von Mechanismen, die das Hunger- und Sättigungsgefühl regulieren und so die Nahrungsaufnahme bestimmen. Hunger und Sättigung werden ausgelöst von Signalen und reguliert von Botenstoffen. Zu diesen Signalen zählen z.B. die Fettreserven des Körpers, der Füllungsgrad von Magen und Darm, aber auch der Anstieg des Blutzuckerspiegels sowie der Geruch, das Aussehen und der Geschmack von Essen. Diese Signale werden von einer zentralen Schaltstelle im Gehirn empfangen und weiterverarbeitet, dem Hypothalamus.

Wissenschaftler untersuchen ebenfalls die Funktionen von Botenstoffen wie beispielsweise Insulin, Leptin oder Ghrelin. Man vermutet und diskutiert deshalb noch eine ganze Reihe anderer Mechanismen, die Hunger und Sättigung auslösen können. Längst noch nicht alle sind vollständig erforscht.

Die Macht der Gewohnheit
Die Basis für unser Essverhaltens wird schon in der Kindheit gelegt. Eltern, Erzieher, aber auch Gleichaltrige in Kindergarten und Schule können durch ihr Vorbild unser Essverhalten entscheidend prägen. Vielleicht wurden wir beispielsweise dazu erzogen, den Teller immer leer zu essen. Sprüche wie "Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!", oder "Wenn du alles aufisst, wird das Wetter schön!" kennen wir aus der Vergangenheit. Es kann auch sein, dass wir uns mit Essen belohnen oder im Essen Trost suchen, weil wir es so gewohnt sind.

Beobachten Sie sich:
  • Essen Sie Ihren Teller immer leer, obwohl Sie nicht mehr hungrig sind?
  • Essen Sie oft aus Langeweile oder weil Sie Stress haben?
  • Belohnen oder trösten Sie sich mit Essen?

Am besten führen Sie ein Ess-Tagebuch und schreiben genau auf, was, wann und warum Sie essen. Nur wenn Sie Ihre Essmotive genau analysieren und dadurch besser kennenlernen, können Sie bewusst gegensteuern.


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