Eis – von Entdeckern, Sorten und Geschmäckern
Anfang der fünfziger Jahre fand der Eisverkauf in Deutschland überwiegend am Kiosk und auf der Straße statt. Geliefert und verkauft wurde aus Thermosbehältern, die mit Trockeneis gekühlt wurden. Erst mit der Verbreitung von elektrischen Kühlschränken hat Eis seinen Siegeszug in deutschen Haushalten angetreten. Die Auswahl ist inzwischen groß – zahlreiche Sorten und mehr als 70 verschiedene Geschmacksrichtungen werden angeboten.
Historie – vom Gletscher bis hin zum Eis am Stiel
Wussten Sie, dass Speiseeis schon von den alten Griechen geschätzt wurde? Sie bereiteten sich eine „Götterspeise“ aus dem „Schnee vom Olymp“, dem Sitz der Götter in der antiken Mythologie, die sie mit Milch, Honig, Fruchtsäften und Wein verfeinerten.
Da seit der Antike das Eis für die Speiseeisherstellung aus meist weit entfernten Gletschern beschafft werden musste, war der Eis-Genuss lange Zeit nur den Reichsten vorbehalten. Der Durchbruch in der Eisherstellung kam 1876. In diesem Jahr entwickelte der Deutsche Carl von Linde mittels Ammoniak eine Kältemaschine, nach deren Prinzip auch der heutige Kühlschrank funktioniert. Eine weitere Innovation in der Eisherstellung stammt von Harry Bust, der sich 1923 in Ohio das Stieleis patentieren ließ. Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt begann die industrielle Speiseeisproduktion in Deutschland.
Sorten – Eisvarianten im Handel
Bei Eis können Sie zwischen zahlreichen Sorten wählen. Zutaten wie beispielsweise Milch oder Frucht, Pflanzenfett oder Sahne sind in unterschiedlichen Mengen enthalten. Die verschiedenen Speiseeissorten werden in so genannten „Leitsätzen“ beschrieben. Die Leitsätze haben zwar keinen Gesetzescharakter, doch wenn die Hersteller von den Vorgaben abweichen, müssen sie den Verbraucher darüber informieren.
Die Tabelle gibt einen Überblick über die Unterschiede handelsüblicher Eissorten.
Eissorten im Überblick
| Eisbezeichnung: |
Erläuterung |
| Eis: |
Bezeichnung für Produkte, die nicht den im Folgenden aufgeführten Kategorien zuzuordnen sind. Die Bezeichnung „Eis“ wird durch die Geschmacksrichtung oder die geschmacksgebenden Zutaten z.B. Vanilleeis oder Erdbeereis ergänzt. |
| Fruchteis: |
enthält mindestens 20 % Frucht, bei sauren Früchten wie Zitronen mindestens 10 % |
| "Frucht"-Sorbet: |
enthält mindestens 25 % Frucht, bei sauren Früchten wie Zitronen mindestens 15 % |
| Eiscreme: |
enthält mindestens 10 % Milchfett |
| Milcheis: |
enthält mindestens 70 % Milch |
| Rahmeis: |
enthält mindestens 18 % Milchfett |
| Cremeeis: |
enthält mindestens 50 % Milch und auf einen Liter Milch mindestens 270 g Vollei oder 90 g Eigelb |
| Fruchteiscreme: |
enthält mindestens 8 % Milchfett und einen deutlich wahrnehmbaren Fruchtgeschmack |
| Wassereis: |
unterscheidet sich von Milcheis, Fruchteis und Fruchtsorbet und hat einen Fettgehalt unter 3 %. Zudem liegt ein Trockenmassegehalt von mindestens 12 % vor, der von süßenden und/oder weiteren geschmacksgebenden Zutaten stammt. |
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Quelle: Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuches für Speiseeis und Speiseeishalberzeugnisse, 2003 (veröffentlicht 2006).
Spitzenreiter Finnland
Noch größeren Eishunger als die Deutschen haben die Skandinavier – allen voran Finnland mit mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 12,9 Litern im Jahr 2010. Europäisches Schlusslicht waren die Spanier; sie aßen 2010 pro Kopf nur 4,8 Liter Eis. Ein Beweis dafür, dass Eis nicht nur bei Sonne und hohen Temperaturen eine köstliche Erfrischung ist.
Wie viel und was? Verzehr und Eishits
Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie aß jeder Deutsche im Jahr 2010 im Durchschnitt 7,7 Liter Eis. Davon entfielen 6,1 Liter auf Markeneis. 1,6 Liter stammten aus gewerblich hergestelltem Speiseeis, etwa in Eisdielen, und aus Softeis. Die Favoriten sind Vanille und Schokolade, auf Platz drei steht in diesem Jahr erstmals Nuss. Platz vier und fünf belegen diverse Vanille- und Schokomischungen, Straciatella landet auf Platz sechs.
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