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Tipps bei Gicht und erhöhtem Harnsäurespiegel

Im Mittelalter war Gicht als Krankheit der Reichen, Übergewichtigen und Schlemmer bekannt. Heute ist sie mit 1,6 Millionen Betroffenen eine der häufigen ernährungsmitbedingten Stoffwechselkrankheiten bei Erwachsenen in Deutschland. Wir erklären, wie es zur Entstehung von Gicht kommen kann und geben hilfreiche Tipps, wie Sie durch Anpassung Ihrer Ernährungsweise die Erkrankung lindern und dem Anstieg des Harnsäurespiegels vorbeugen können.
Gicht & Harnsäurespiegel
Gicht & Harnsäurespiegel
Wie entsteht Gicht?

Gicht entsteht durch einen zu hohen Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) im Blut. Ärzte unterscheiden zwischen der primären (angeborenen/vererbten) und sekundären (erworbenen) Form. Die primäre Gicht ist auf eine Stoffwechselerkrankung zurückzuführen, die meist mit einer Harnsäure-Ausscheidungsstörung der Nieren einhergeht. Bei der sekundären Variante ist die Gicht Begleiterscheinung anderer Krankheiten wie beispielsweise Tumorleiden unter Chemotherapie, Bluterkrankungen oder Nierenfunktionsstörungen. Ernährungsbedingte Ursachen eines erhöhten Harnsäurespiegels können striktes Fasten, Nulldiät oder auch ein deutlich erhöhter Fleisch- und Alkoholkonsum sein. Der Stellenwert der Ernährung ist bei der Gicht hoch, da über die Nahrung aufgenommene Purine (Eiweißverbindungen) Einfluss auf den Harnsäurespiegel haben. Bei der Hyperurikämie und Gicht ist daher eine Einschränkung der Purinzufuhr notwendig.
Wie kommt Harnsäure ins Blut?
Die Harnsäure stammt aus dem Abbau von körpereigenen oder in Lebensmitteln vorkommenden Purinen. Purine sind Eiweißverbindungen, die es in jeder Zelle gibt und Bestandteil der Erbinformation sind. Sie werden im Stoffwechsel über mehrere Zwischenschritte zu Harnsäure abgebaut und normalerweise über die Nieren ausgeschieden. Ist diese Funktion wie bei der primären Gicht gestört, bleibt die Harnsäure im Körper. Das bedeutet, der Harnsäurespiegel im Blut steigt an. Außerdem nehmen wir Purine und damit auch das Abbauprodukt Harnsäure über die Nahrung auf, besonders über tierische Lebensmittel. Erhöhte Harnsäurewerte bleiben oft über Jahre unbemerkt und beschwerdefrei. Bei permanent erhöhten Werten kommt es letztendlich zur Gicht beziehungsweise zu einem Gichtanfall.
Harnsäurekristalle lagern sich häufig am großen Zeh, in Schleimbeuteln, in den Sehnenscheiden, Ohrknorpel oder in den Nieren als Steine ab. Beim akuten Gichtanfall sind plötzlich einsetzende, extreme Schmerzen, verbunden mit starker Rötung und Schwellung in diesen Bereichen, typisch. Das können Sie allerdings vermeiden, wenn rechtzeitig Gegenmaßnahmen getroffen werden und mit einer ausgewogenen und purinreduzierten Ernährungsweise vorgebeugt wird.
Gicht Der Blutwert gibt Auskunft
Ob und wie hoch der Harnsäurespiegel ist, wird über das Blut bestimmt. Männer sind deutlich häufiger von erhöhten Werten und Gicht betroffen als Frauen. Doch auch für Frauen steigt das Risiko mit Beginn der Wechseljahre, da jetzt die schützende Wirkung der Östrogene fehlt. Während einer längeren Fastenperiode oder bei extremen Diäten (beispielsweise Nulldiät) kann sich durch vermehrten Abbau von Körperzellen der Harnsäurewert ebenfalls erhöhen. Und auch im gegenteiligen Fall, wenn zu viel Fleisch und Alkohol auf dem Speiseplan stehen, steigt der Wert. In diesem Bereich sollten sich die Harnsäurewerte im Blut bewegen:
Normwerte im Blut:
Männer: 3,6 bis 8,2 mg/dl
Frauen: 2,3 bis 6,1 mg/dl
Wie wird behandelt?
Bei erhöhten Harnsäurewerten liegt das erste Mittel der Wahl in einer Umstellung der Essgewohnheiten. Übergewicht ist ein Risikofaktor für die Entstehung von Gicht. Bleibt der Harnsäurespiegel auf Dauer erhöht und zeigt die Ernährungsumstellung allein keinen Erfolg, müssen zusätzlich Medikamente eingesetzt werden. Sie reduzieren entweder die Harnsäureproduktion im Körper oder erhöhen die Harnsäureausscheidung über die Nieren. Bei akuten Gichtanfällen verordnen Ärzte entzündungshemmende Schmerzmittel. Auch kalte Umschläge können innerhalb weniger Stunden erhebliche Linderung der Schmerzen bringen. Besprechen Sie die Therapie mit Ihrem Arzt und lassen Sie die Harnsäure-Werte regelmäßig überprüfen.
Ernährungs-Tipps bei Gicht und erhöhtem Harnsäurespiegel (Hyperurikämie)
Auch bei Hyperurikämie und Gicht gelten die Regeln einer ausgewogenen Ernährungsweise, die beispielsweise in der Ernährungspyramide dargestellt sind. Zudem gibt es spezielle Hinweise:
  • Achten Sie auf Ihr Gewicht! Versuchen Sie, langsam abzunehmen.
  • Essen Sie jeden Tag frisches Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und wenig oder keine Hülsenfrüchte, da diese purinreich sind.
  • Genießen Sie täglich fettarme Milch und Milchprodukte.
  • Achten Sie auf den Puringehalt der Lebensmittel. Meiden Sie Innereien, Fleischextrakt, Schalen- und Krustentiere sowie Fischkonserven mit Kleinfischen wie Ölsardinen und Co.
  • Essen Sie am Tag max. 100 g Fleisch, Wurst, Fisch oder Geflügel.
  • Trinken Sie selten oder besser keinen Alkohol. Er hemmt die Harnsäureausscheidung. Bier beispielsweise hat einen hohen Puringehalt und sollte deshalb gemieden werden.
  • Essen Sie fettarm. Ein hoher Fettverzehr begünstigt Übergewicht.
  • Trinken Sie täglich mindestens zwei Liter kalorienfreie Flüssigkeit, da reichliches Trinken die Harnsäureausscheidung fördern kann. Empfehlenswert: Mineralwasser, wie z. B. Vittel, ungesüßte Tees und Fruchtsaftschorlen im Mischverhältnis 1/3 Saft zu 2/3 Wasser.

Damit Ihnen die praktische Umsetzung leichter fällt, empfiehlt sich eine qualifizierte Ernährungsberatung und Ernährungsratgeber über Gicht und Hyperurikämie (siehe Buchtipps in den Quellenhinweisen unten). So können Sie offene Fragen klären und Ihre Harnsäure-Werte gesund und effektiv senken. Den Puringehalt von Lebensmitteln können Sie in Nährwert-Tabellen (siehe Buchtipps in den Quellenhinweisen unten) ablesen.

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Icon Quellen zum Artikel:
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2008): Stoffwechselforschung. Wie Ernährung und Gene auf die Gesundheit wirken. http://www.bmbf.de/pub/stoffwechselforschung.pdf.
J. Gruber (2009): Gicht: Alte Erkrankung – neue Therapie. Journal für Mineralstoffwechsel. Zeitschrift für Knochen- und Gelenkserkrankungen, 16 (3), 111-114.
Behandlung der Gicht (2002): Behandlung der Gicht. Arznei Telegramm, 33 (9). http://www.arznei-telegramm.de/register/0209092.pdf.
A.Ilies (2006): Purinarm genießen bei Gicht. Mit gezielter Ernährung den Harnsäurespiegel natürlich senken. Südwest Verlag.
Fleischreiche Ernährung und Alkohol können Gicht auslösen (2008). http://www.internisten-im-netz.de/de_news_6_0_393_fleischreiche-ern-hrung-und-alkohol-k-nnen-gicht-ausl-sen.html.
A.-K. Tausche et al. (2009): Gicht – aktuelle Aspekte in Diagnostik und Therapie. http://www.aerzteblatt.de/archiv/65764.
Besonderheiten in der Ernährung bei Hyperurikämie und Gicht. http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Medizinische-Klinik-und-Poliklinik-II/de/schwerpunkte/diabetes-und-stoffwechsel/ernaehrungsmedizin/rationalisierungsschema/rat_energiedef_diaet/hyperurikaemie/index.html.
Gicht. Ernährungsempfehlungen bei Hyperurikämie & Gicht. http://www.internisten-im-netz.de/de_empfehlungen-zur-ernaehrung-bei-hyperurikaemie-gicht_1656.html.
   
Icon Buchtipps
Puringehalt von Lebensmitteln:
W. Aign / I. Elmadfa / E. Muskat / D. Fritzsche (2009): Die große GU Nährwert Kalorien Tabelle. Gräfe und Unzer Verlag.
Ernährungsratgeber zu Hyperurikämie und Gicht:
E. Hund-Wissner / G. Wolfram (2010): Ernährung bei Gicht und Hyperurikämie. Trias Verlag.
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