Adipositas ist eine Krankheit mit oft eingeschränkter Lebensqualität und hohem Krankheits- und Sterblichkeitsrisiko. Sie ist gekennzeichnet durch starkes Übergewicht und somit eine starke Zunahme der Körperfettspeicher bzw. des Fettgewebes.
Inhaltsverzeichnis
- BMI als Berechnungsgrundlage
- Ernährungstherapie
- Bewegungs- und Verhaltenstherapie
- Medikamentöse und chirurgische Therapie
BMI als Berechnungsgrundlage
Berechnungsgrundlage für die Ermittlung von Adipositas und Übergewicht ist der Body Mass Index (BMI) als Quotient aus Körpergewicht und Körpergröße zum Quadrat (kg/m²). Nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Adipositas ab einem BMI von 30 gegeben. Neben dem BMI lässt auch der Taillenumfang Rückschlüsse auf das Vorhandensein einer Adipositas zu. Bei Frauen ab einem Taillenumfang von 88 cm und bei Männern mit einem Taillenumfang von mindestens 102 cm liegt eine abdominale Adipositas (Fettspeicherung am Bauch) vor.
Ernährungstherapie
Die Deutsche Adipositas Gesellschaft nennt vier verschiedene Stufen für eine Ernährungstherapie:
Stufe 1: Reduktion des Fettverzehrs
Stufe 2: Mäßig energiereduzierte Mischkost
Stufe 3: Mahlzeitenersatz mit Formulaprodukten
Stufe 4: Formuladiät
Je nach individuellem Risikoprofil und der persönlichen Situation des adipösen Patienten ist der Einstieg in jeder Stufe möglich.
Stufe 1:
Über eine alleinige Senkung des Fettverzehrs auf circa 60 g täglich und einer Energiezufuhr, die 500 kcal unter dem individuellen Energiebedarf liegt, soll innerhalb von 6 Monaten eine Gewichtssenkung von durchschnittlich 3,2-4,3 kg erreicht werden. Diese Strategie ist außerdem für eine langfristige Gewichtsstabilisierung nach einer Gewichtssenkung geeignet.
Stufe 2:
In Stufe 2 sollen 500-800 kcal pro Tag eingespart werden. Der vermehrte Verzehr von Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs beinhaltet bei gleicher Nahrungsmenge eine verminderte Energiezufuhr verbunden mit einer guten Sättigung. Mit der energiereduzierten Mischkost wurde im Rahmen einer Studie eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 5,1 kg pro Jahr erreicht. Stufe 2 gilt auch als Standardtherapie der Adipositas.
Stufe 3:
Ein bis zwei Hauptmahlzeiten täglich können in Stufe 3 durch Formulaprodukte, z. B. Eiweißgetränke und Riegel, mit jeweils etwa 200 kcal ersetzt werden. Bei einer täglichen Energiezufuhr von 1200-1600 kcal ist innerhalb von drei Monaten ein Gewichtsverlust von durchschnittlich 6,5 kg wahrscheinlich.
Stufe 4:
Laut Aussage der Deutschen Adipositas Gesellschaft ermöglichen Formuladiäten mit 800 bis 1200 kcal pro Tag über einen Zeitraum von bis zu 12 Wochen einen Gewichtsverlust von 0,5 bis 2 kg pro Woche. Reduktionsdiäten mit weniger als 800 kcal pro Tag werden nur für Patienten mit einem BMI, der größer oder gleich 30 ist empfohlen. Die Deutsche Adipositas Gesellschaft empfiehlt eine Trinkmenge von mindestens 2,5 Liter pro Tag.
Bewegungs- und Verhaltenstherapie
Im Rahmen der Bewegungstherapie ist gemäß den Empfehlungen der Deutschen Adipositas Gesellschaft ein zusätzlicher Energieverbrauch von 2500 kcal pro Woche anzustreben. Umgerechnet in körperliche Aktivitäten entspricht dies mindestens fünf Stunden zusätzlicher intensiver Bewegung pro Woche. Ausgedehnte, stramme Spaziergänge und gelenkschonende Sportarten wie Walking, Nordic Walking, Schwimmen und Radfahren sind besonders geeignet.
Ein wichtiges Element der Verhaltenstherapie ist die Selbstbeobachtung hinsichtlich
des Ess-, Trink- und Bewegungsverhaltens. Gut geeignet zur Dokumentation des Bewegungs- und Ernährungsverhaltens sind z. B. Bewegungsprotokolle und Ernährungstagebücher, die festhalten wann, was und warum gegessen und getrunken wird. Sind die Gründe für ein ungünstiges Essverhalten erkannt, kann gezielt gegengesteuert werden, indem z. B. Essreize reduziert und neu erlernte Verhaltensmuster belohnt werden.
Medikamentöse und chirurgische Therapie
Für Patienten mit einem BMI von mindestens 30, die auf eine Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie nicht oder nicht ausreichend ansprechen (Gewichtsabnahme kleiner oder gleich 5 % innerhalb von 3 bis 6 Monaten) kann nach Empfehlungen der Deutschen Adipositas Gesellschaft eine medikamentöse Therapie mit den gewichtssenkenden Medikamenten Sibutramin, Orlistat und Rimonabant in Frage kommen. Das gilt auch für Patienten mit einem BMI von mindestens 27, die an Begleiterkrankungen leiden. Ein BMI von mehr als 40 oder von mindestens 35 mit zusätzlichen Risikofaktoren oder Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 und Bluthochdruck können eine chirurgische Therapie, z. B. Magenband oder Magenbypass, indizieren, wenn das Basisprogramm nicht zum gewünschten Erfolg geführt hat.
Um nach der Therapie das erreichte Gewicht stabil zu halten, muss die Energieaufnahme dauerhaft dem –bedarf entsprechen. Dazu ist eine kalorien- und fettbewusste Ernährung im Sinne der Ernährungspyramide geeignet. Eine vermehrte körperliche Aktivität trägt ebenfalls zur Gewichtsstabilisierung bei. Die Deutsche Adipositas Gesellschaft empfiehlt ehemaligen Patienten, Selbsthilfegruppen zu nutzen und das Körpergewicht einmal wöchentlich zu kontrollieren.
Weblinks
Die Deutschen werden immer dicker
www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=576
Nachrichten der Deutschen Adipositas-Gesellschaft
www.adipositasspektrum.de
Leitlinien der Deutschen Adipositas-Gesellschaft
www.adipositas-gesellschaft.de/daten/Adipositas-Leitlinie-2007.pdf
Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA)
www.a-g-a.de
Chirurgische Therapie bei Adipositas
www.adipositas-gesellschaft.de/daten/Leitlinie-Chirurgie.pdf